Science Fiction Filme) Lieber Mr. Berkeley. Ihre Arbeit hat hier in Deutschland eine riesige Fangemeinde. Vor allem wegen Filmen wie HEAT, TERMINATOR 2 und den Fernsehserien 24 und THE WALKING DEAD natürlich. Ein kurzes Statement bitte, wie Sie zum Film gekommen sind und was Sie davor gemacht haben.

 

Xander Berkeley) Während meiner Highschool-Zeit habe ich den ganzen Sommer lang Heu gebündelt. Nein, im Ernst. Ich bin aufs College gegangen. Mit 19 habe ich meinen ersten Job in einem Theater bekommen. Als ich 23 war, hat mich mein Agent aus New York nach Los Angeles geholt, wo ich kurzzeitig als Kellner gearbeitet habe.

 

SFF) Bevor wir zu Ihrer fantastischen Arbeit im Bereich Film (aber nicht nur dort) kommen, zunächst eine Frage. Woher kommt Ihre Liebe zur Schauspielerei?

 

X.B.) Meine Liebe zur Schauspielerei scheint mich schon seit meiner frühesten Kindheit zu begleiten. Meine Mutter wusste, dass ich mir mehr als alles andere Kostüme für Figuren wie Robin Hood, Dr. Doolittle und Superman wünschte. Da sie sehr gut nähen konnte hat sie mir diese Kostüme freundlicherweise genäht. Ich verschwand dann stundenlang im Wald und wurde durch Zeit und Raum transportiert, als würde ich von den magischen Kräften angetrieben, die diese Kostüme meiner Fantasie zu verleihen schienen.

 

SFF) Was war Ihr erster Film-/ Fernsehjob den Sie bekommen haben und wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

 

X.B.) Meine erste Filmrolle war die des Christopher Crawford in MEINE LIEBE RABENMUTTER (1981) die ich gegen Ende meines ersten Jahres in LA (an meinem 24. Geburtstag) bekam. Am nächsten Tag kündigte ich meinen Job im Restaurant und dank Gottes Gnade (und viel fast schon obsessiver harter Arbeit) kann ich seitdem meinen Lebensunterhalt als Schauspieler verdienen.

 

SFF.) Zu meinen ersten Erfahrungen zählen ALIEN und JASON UND DIE ARGONAUTEN. Gab es ein besonderes Ereignis oder einen Film, der Sie dazu gebracht hat zu denken: „Okay, das möchte ich auch machen?“

 

X.B.) Komisch, dass Sie JASON UND DIE ARGONAUTEN erwähnen. Ich erinnere mich, dass der junge Künstler in mir davon extrem inspiriert war. Robin Hood und Dr. Doolittle haben mich mit drei oder vier Jahren eindeutig stark beeindruckt, aber ich habe jetzt keine wirkliche Erinnerung mehr daran. Ich glaube JAMES BOND – 007 JAGT DR. NO (1962) war das erste Mal, dass in meinem jungen Gehirn etwas über die Kraft und Magie des Kinos klickte. LAWRENCE VON ARABIEN (1962) war wohl etwa zur gleichen Zeit.

 

Ich bin auf einer Farm in New Jersey aufgewachsen, wo eine Reihe von britischen Exilanten lebten, die während des Krieges dorthin gekommen waren. Ich war fasziniert von den verschiedenen britischen Akzenten, von Lords und Ladies bis hin zu Cockneys. Aber auch von irischen und schottischen Akzenten. Schauspieler wie Alec Guinness, Laurence Olivier, Sean Connery und Peter O’Toole haben mich früh geprägt, inspiriert und beeinflusst.

 

SFF) Sie haben Ihre Karriere mit Nebenrollen in Fernsehserien wie THE A-TEAM (die ich wegen ihrer wunderbaren Naivität bis heute liebe) oder DIE HIMMELHUNDE VON BORAGORA (eine Serie, die unbedingt in diesem Land veröffentlicht werden sollte) begonnen. Können Sie uns rückblickend erklären, wie man als junger Schauspieler diese Art von Kunst wahrnimmt? Haben Sie es damals nur als einen Job angesehen oder als einen Weg, um Fuß zu fassen und mehr zu erreichen?

 

X.B.) Nachdem ich MEINE LIEBE RABENMUTTER bekommen hatte, bat ich meinen Agenten, sich auf Bösewicht-Rollen im Fernsehen zu konzentrieren. Ich dachte mir, dass jede Serie jede Woche einen anderen Bösewicht hatte, sodass es mir wie eine relativ sichere Arbeit erschien, in Episoden-Serien mitzuspielen, während ich meine Techniken für das Filmschauspielern weiterentwickelte. Ich testete mein Spektrum an Charakteren, lernte etwas über Kameras und bereitete mich auf Chancen im Film vor.

 

SFF) Sie haben Anfang der 80er Jahre beim Fernsehen angefangen und wechseln bis heute ständig zwischen Serien und Filmen. Gibt es Unterschiede in der Art und Weise, wie sie produziert werden? Ich kann mir gut vorstellen, dass die Arbeit beim Fernsehen in den 80er Jahren anders war als in den 90er, den 2000er Jahren oder heute.

 

X.B.) Ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass mir meine Theaterausbildung dabei helfen konnte, diese Rollen zu bekommen. Ich meine, in jeder Folge musste man einen Bösewicht finden und ihn am Ende der Sendung seiner gerechten Strafe zuführen. Ich fand, dass das eine gute, regelmäßige Arbeit war und gleichzeitig eine bezahlte Ausbildung.

 

Ich habe mich weiterhin auf Filme konzentriert, weil dort einfach bessere Geschichten von besseren Regisseuren erzählt wurden. Aber es war trotzdem aufregend, schnell Geld zu verdienen und dabei seine Fähigkeiten zu verbessern. Die Folgen wurden ein paar Wochen später ausgestrahlt, sodass man sich ansehen konnte, wie weit man in eine Richtung hätte gehen können und vielleicht in einer anderen etwas zurückstecken sollte. Aber es war immer eine Bestätigung, dass man arbeitete und seinen Lebensunterhalt damit verdiente, während man besser wurde.

 

Mir wurde sofort klar, dass ich lernen musste, wie man mit Kameras statt mit einem Publikum arbeitet. Also habe ich mich dem Fernsehen zugewandt, um eine Art Crashkurs zu absolvieren. Eine Möglichkeit, auf dem kleinen Bildschirm zu lernen, was auf der großen Leinwand funktionieren könnte und was nicht. Ich betrachtete es als ein Arbeits-/Studienprogramm, mit dem ich meine Rechnungen bezahlen konnte, während ich lernte, wie man es nicht vermasselt, wenn man überlebensgroß auf der Kinoleinwand zu sehen ist.

 

Im Theater musste man „bis in die hinterste Reihe hinein spielen“. Im Film war das nicht nötig.

 

Das Ziel blieb der Film, denn das Fernsehen in den 80er Jahren war größtenteils ziemlich schlecht. Und zu dieser Zeit gab es definitiv einen Unterschied zwischen Fernsehschauspielern und Filmschauspielern. Ich mied Serienverpflichtungen, um für Filme verfügbar zu bleiben. Auch wenn man mit Fernsehserien eher „Markenbekanntheit“ und große Summen Geld verdienen konnte.

 

SFF) Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich meine das mit allem Respekt und aller Hochachtung, denn das muss man erst einmal erreichen. Sie gehören zu den Schauspielern, von denen viele Leute denken: „Verdammt, den kenne ich doch irgendwoher. Er hat in diesem und jenem mitgespielt.“ Stört es Sie, dass vielleicht nicht jeder Ihren Namen kennt, aber jeder Ihr Gesicht kennt, Sie aber nicht wiedererkennen kann?

 

X.B.) Anstatt mich als Versager zu fühlen, weil ich kein bekannter Name geworden bin und sogar mein Gesicht (vor allem mit Bart) nur gelegentlich wiedererkannt wird, fühle ich mich frei der Beobachter zu sein, und bin weniger ein Sklave meines Egos. Egos sind wichtig, aber meiner Meinung nach müssen sie gepflegt und an ihrem Platz gehalten werden. Ruhm kann ein Ego häufig überfüttern und einen Narzissten oder eine psychologische Essstörung hervorrufen (nicht im wörtlichen Sinne, sondern die Nahrung der Aufmerksamkeit).

 

Ich werde nicht so tun, als würde ich nicht darunter leiden, dass berühmtere Schauspieler Zugang zu Rollen haben, die ich gerne gespielt hätte. Aber das ist ein Kompromiss. Ich habe meine relative Anonymität und Privatsphäre, um die sie mich gelegentlich beneiden könnten. Ich übernehme die Verantwortung dafür, dass ich den Erfolg auf dieser Ebene sabotiert habe, indem ich Rollen gespielt habe, für die ich meiner Meinung nach meine Eitelkeit opfern musste. Und ich habe kleinere Rollen gespielt als allgemein empfohlen wird (das ganze Spiel der „Wahrnehmung” ist der Schlüssel zu einem bestimmten Maß an Ruhm).

 

Außerdem sind Studioleiter und ausführende Produzenten von Filmen in erster Linie Geldgeber und keine Kreativen. Sie suchen nach zuverlässigen Produkten. Schauspieler, die eine bestimmte Rolle entwickeln, die sich als marktfähig erweist, geben den Geldgebern Sicherheit. Ich habe immer versucht, jede Figur anders zu gestalten und einen anderen Look, eine andere Art zu sprechen und sich zu verhalten zu finden, die für die Figur in jedem Film spezifisch und von anderen, die ich bereits gespielt hatte, unterscheidbar war (keine zwei Menschen sind sich ähnlich, oder?). Aber ich glaube, das hat den Geldgebern dabei eine beunruhigende oder unklare Botschaft vermittelt.

 

SFF) Ich muss einfach ein paar Fragen zu bestimmten Rollen in Filmen stellen. Es geht nicht anders. In TERMINATOR 2 haben Sie John Conners Stiefvater Todd Voight gespielt. Die berühmte Szene, in der Jenette Goldstein Ihnen als „verwandelte“ Ehefrau in den Kopf sticht. Können Sie mir erzählen, wie diese Szenen gedreht wurden? Hatten Sie eine Attrappe, war es eine Mischung aus CG und praktischen Effekten? Wie verhält man sich bei solchen Dreharbeiten? Was waren die Herausforderungen?

 

X.B.) Es war eine anspruchsvolle Sequenz, die viel Vorbereitung und Nachbearbeitung erforderte. Eine Kombination aus praktischen Effekten und computergenerierten Bildern. Sie fertigten einen Abdruck meines Hinterkopfes an, damit eine ausziehbare Klinge von Puppenspielern unterhalb des Rahmens bedient werden konnte. Die Klinge, die aus meinem Hinterkopf herauskommt und in den Küchenschrank eindringt wurde seitlich von der Kamera weggezogen, wodurch die Illusion entstand, dass sie aus meinem Kopf herauskam.

 

Ich bekam eine stumpfe Klinge, mit der ich zwei Wochen lang das Schwertschlucken üben konnte, damit ich sie weit genug in meinen Hals stecken konnte um die Szene glaubhaft zu machen. Außerdem konnte ich so am Drehtag den Würgereiz unterdrücken. Es gab noch viele weitere Komplikationen und Anstrengungen, die von mir und vielen anderen verlangt wurden, aber hier schreibe ich nun, wie viele Jahre später? Ich denke, es hat sich gelohnt.

 

SFF) Auch unglaublich herausragend ist Ihre Szene mit Al Pacino und Diane Venora in HEAT. Ich erinnere mich, als ich diesen Film im Kino gesehen habe und diese Szene kam, haben alle laut gelacht (wegen Ihrer Reaktion auf Pacinos Schreien). Wie war es für Sie, diese Szene zu drehen? Mussten Sie sich zusammenreißen, um nicht zu lachen, oder war es großer Respekt vor der Leistung der Schauspieler?

 

X.B.) HEAT war ein ziemlich ernster Film. Ich war der einzige Schauspieler, der in SHOWDOWN IN LA (1989) mitgespielt hatte, einem Film, den Michael Mann nach MIAMI VICE als TV-Pilotfilm gedreht hatte. Es war das gleiche Drehbuch wie bei HEAT. Michael bekam nicht den gewünschten Sendeplatz, also zog er die Serie zurück, strahlte den Pilotfilm kurzzeitig in Europa als Film aus und begrub ihn dann. Ein paar Jahre später zahlte sich diese Entscheidung für ihn aus, als er Pacino und De Niro für sich gewinnen konnte. Es war toll, mit Al zu arbeiten. Er war genauso konzentriert wie ich. Die intensive, realistische Darstellung machte es so lustig.

 

SFF) Sie haben auch in EINE FRAGE DER EHRE (1993) mitgespielt und eine unvergessliche Leistung abgeliefert (wie alle anderen in diesem großartigen Film auch). Was können wir Ihrer Meinung nach heute noch aus diesem Film lernen?

 

X.B.) Was können wir heute noch aus EINE FRAGE DER EHRE lernen? Nun, vielleicht, dass wir uns vor Menschen in Machtpositionen hüten sollten, die Regel- oder Gesetzesverstöße rechtfertigen, als ob ihre Opfer oder ihre Position dies rechtfertigen würden? Dass niemand über dem Gesetz stehen sollte? Dass wir stets wachsam gegenüber Rassendiskriminierung und bewussten oder unbewussten Vorurteilen sein müssen, die bei der Strafverfolgung eine Rolle spielen können? Viele Dinge.

 

Es war mir eine Ehre und eine Freude, mit Rob Reiner zusammenzuarbeiten. Und es hat so viel Spaß gemacht, an der großen Leseprobe mit allen Schauspielern teilzunehmen. Die Proben waren großartig. Und sie gaben mir einen Pass, um auf die Marinebasis zu gelangen und die Männer zu interviewen, deren Beruf ich im Film darstellte (eine Kombination aus einem Kapitän der Marine und einem Offizier, der Rechtsprofessor auf dieser Basis war).

 

SFF) Sie haben in so vielen Filmen und Serien mitgespielt. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für eine Rolle? Sicher, das Drehbuch. Aber haben viele Entscheidungen nicht vielleicht auch eine weitreichende Bedeutung? Vielleicht entscheiden Sie auch anhand solcher Aspekte: Was bleibt als Aussage von mir? Welche Erinnerung hinterlasse ich?

 

X.B.) Die Qualität eines Drehbuchs ist generell ein entscheidender Faktor für meine Bereitschaft, mich zu engagieren. Wenn man zusätzlich zu einem guten Drehbuch und einer guten Geschichte noch eine Bedeutung oder Substanz findet, ist das natürlich ein Pluspunkt.

 

Als Schauspieler habe ich mich oft dafür entschieden, mit den besten Regisseuren zusammenzuarbeiten, um durch Beobachtung in Aktion etwas über gutes Filmemachen zu lernen. Auch weil man weiß, dass es so eine bessere Chance hat, den Test der Zeit zu bestehen. Und großartige Regisseure haben auch großartige Kameraleute und Cutter .

 

SFF) Es gibt unglaublich viele Schauspieler, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Aber Ihre Rolle als George Mason in 24 gehört immer zu meinen Top Ten. Die Art und Weise, wie Sie Ihre Figur so darstellen, dass man sie gleichzeitig hasst und liebt und gleichzeitig einen so emotionalen Abschied in einer Fernsehserie hat, ist einzigartig. Wussten Sie von Anfang an, wohin die Reise Ihrer Figur gehen würde? Wie konnten Sie sich darauf vorbereiten?

 

X.B.) Bei 24 wussten wir von Anfang an sehr wenig. Meine Rolle war eine Gastrolle in der Pilotfolge. Ihnen gefiel die Ernsthaftigkeit in Kombination mit dem trockenen, ironischen Humor, den ich einbrachte (beides stand nicht im Drehbuch). Also fragten die Produzenten mich, ob ich wiederkommen wolle, als die Serie aufgenommen wurde, und schrieben Mason weiterhin in dem Stil, den ich etabliert hatte. Die Pilotfolge war so nah an den Ereignissen des 11. September 2001, dass die Autoren viele Handlungsstränge umschreiben mussten, um sich davon zu distanzieren.

 

So hatten wir die seltene Gelegenheit, die Rollen auszuarbeiten, während wir ihnen halfen, die Dialoge anzupassen. An einem Punkt hatte ich das Gefühl, dass sie Mason zu einem unnötigen Arschloch machten. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Joel, unser Showrunner, sich dagegen wehrte und sagte: „Wir haben eine Regel in dieser Serie: Niemals langweilig sein!“ Aber während der Pause zwischen der ersten und zweiten Staffel rief er mich an und erzählte mir seine Idee:

 

„Hör mal, Xander, ich weiß, dass du dich nicht auf eine feste Rolle in einer Serie festlegen willst, aber was wäre, wenn wir dich in der ersten Folge Plutonium aus der Luft einatmen lassen würden und du nur noch 24 Stunden zu leben hättest? Noch eine Staffel?“

 

Und er beschrieb die gesamte Erlösungsgeschichte eines Mannes, der weiß, dass er sterben wird und versucht, sein vergeudetes Leben wiedergutzumachen. Ich sagte: „Ja, verdammt!“ Eine brillante Idee, die mir unglaublich viel Freude bereitet hat.

 

SFF) Apropos George Mason. Ich habe gelesen, dass Sie Ihr Make-up für die Figur in der letzten Staffel, in der Sie mitgespielt haben, selbst gemacht haben. Stimmt das, und wenn ja, wie sind Sie dabei vorgegangen? Es erinnert sehr an Lon Chaney.

 

X.B.) Das war das einzige Mal, dass die Maskenbildner darauf bestanden haben, dass ich dafür genannt werde. Aber ich habe schon seit Jahren mein eigenes Make-up gemacht. Ich habe damit schon als Kind angefangen, noch bevor ich mit 15 mit der Schauspielerei angefangen habe. Dann habe ich es mit meiner Leidenschaft für Verwandlungen kombiniert. Ich wurde im Theater engagiert, um das Make-up für andere in der Produktion oder um stilisiertes Make-up für Spezialeffekte im Theater zu machen. Als ich zum Film wechselte, wurde ich gecastet, indem ich mein Aussehen mit subtilen Make-up-Veränderungen veränderte. Dann zeigte ich dem Make-up-Team was ich gemacht hatte, um den Regisseur zu überzeugen, und so begann meine Ausbildung im Film-Make-up, das sich vom Theater-Make-up unterscheidet. Seitdem arbeite ich daran, mit großzügiger Unterstützung der Besten. Es war schon immer eine Leidenschaft von mir und eine Möglichkeit, mich in eine Rolle hineinzuversetzen.

 

SFF) Sie haben auch Gregory in THE WALKING DEAD gespielt. Film oder Fernsehen sind andere Medien als literarische Vorlagen. Man kann die beiden nicht vergleichen. Das ist unmöglich. Wie sehen Sie Kritiker, die ständig diese Medien vergleichen und kritisieren?

 

X.B.) Okay, ich würde einfach sagen, dass ich zustimme. Aber im Fall von Gregory aus THE WALKING DEAD hatte ich die Comics als Vorlage, um das Aussehen der Figur und ihr grundlegendes Repertoire an Gesten und Körpersprache zu entwickeln, die ich in die Figur einfließen lassen konnte.

 

SFF) Mit CANDYMAN, AIR FORCE ONE (1997), GATTACA, KICK-ASS und TRANSCENDENCE haben Sie mehrere Genrefilme gedreht. Mögen Sie diese Genres und was fällt Ihnen leichter: Action, Science Fiction, Komödie oder Drama?

 

X.B.) Was Genres angeht, liebe ich es, so viele verschiedene Genres wie möglich zu machen. Jedes hat seine eigenen Herausforderungen und Freuden. Ich habe der Versuchung widerstanden, zu viel Horror zu machen. Ich wollte nicht zu viel Splatter in meine ansonsten recht würdevolle (wenn auch obskure) Karriere bringen, habe aber eine Ausnahme gemacht, nämlich „intelligenter Kunsthorror“. CANDYMAN fiel definitiv in diese Kategorie. Ich habe tatsächlich noch ein paar weitere Filme, die in diese Kategorie fallen und bald erscheinen werden.

 

SFF) Nach vielen Jahren in der Branche: Wie sehen Sie Ihre Arbeit als Schauspieler im Kontext ihrer anderen kreativen Arbeit?

 

X.B.) Ich liebe es, die Beziehungen zwischen verschiedenen kreativen Tätigkeiten zu beobachten. Prinzipien zu finden, die sowohl für die Schauspielerei als auch für die bildende Kunst (meine andere primäre kreative Tätigkeit) gelten. Und auch für Musik oder das Schreiben. Als bildender Künstler habe ich mich schon immer zur menschlichen Gestalt und insbesondere zum Gesicht hingezogen gefühlt. Zu dem Zusammenfluss von Emotionen, der sich in jedem Gesicht und jedem Gesichtsausdruck finden lässt.

 

Film ist ein so visuelles Medium, dass ich gerne darüber nachdenke, wie man die Geschichte visuell vermitteln kann. Ich suche nach Aktivitäten, denen die Figur nachgehen könnte, um die Szene visuell spannender und interessanter zu gestalten. Tempo. Rhythmus. Die menschliche Psyche ist unendlich faszinierend, und die Tatsache, dass ich mein Leben lang kreative Wege finden konnte, um sie in verschiedenen Medien zu erforschen, war für mich unendlich bereichernd.

 

SFF.) Haben Sie ein Projekt, das Sie schon immer machen wollten, oder gibt es etwas in Arbeit, auf das wir uns in Zukunft freuen können?

 

X.B.) Es sind viele neue Projekte in Arbeit, mehrere Filme und eine sehr spannende Serie, die bald herauskommen wird. Aber was mir am meisten am Herzen liegt, ist, endlich einen Film zu drehen. Darin werde ich all meine Interessen und Fähigkeiten vereinen und das umsetzen, was ich im Laufe meines Lebens von vielen der Besten gelernt habe.

 

SFF.) Die wichtigste Frage habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: Was war die schwierigste Aufgabe, an der Sie gearbeitet haben, und warum?

 

X.B.) Das richtige Drehbuch zu finden oder das richtige Drehbuch zu schreiben, das meine Fähigkeiten als Regisseur am besten zur Geltung bringt. Gleichzeitig etwas Wichtiges/Wertvolles vermitteln und eine neue Arbeitsweise finden, während ich all die vielen verschiedenen Arten, die ich gelernt habe, mit anderen zusammenzuarbeiten, verinnerliche. Alle Filme und Serien haben ihre Herausforderungen und Belohnungen, einige sind körperlich anstrengender als andere. Einige sind emotional anspruchsvoller oder erfordern einen heiklen Umgang mit Egos oder Temperamenten. Aber alles in allem bereue ich nichts und bin unendlich dankbar, dass ich in Bereichen arbeiten darf, die ich liebe.