Science Fiction Filme) Sehr geehrter Herr Engel. Zunächst einmal möchte ich mich bedanken, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Viele Ihrer Filme, wie INDEPENDENCE DAY (1996) oder 2012 (2011) sind von einer fabelhaften visuellen Präsenz geprägt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie dies schon häufiger gefragt wurden, aber könnten Sie dennoch uns erläutern, wie ein Mann aus Bremerhaven  es bis nach Hollywood geschafft hat?

 

Volker Engel) Hallo Herr Bamberg. Ja, schwer kurz zu fassen wie man von Bremerhaven nach Hollywood kommt. Ich habe mich orientiert am Animationsfilm, weil es das Einzigste war was man studieren konnte  Mitte der 80er Jahre in Deutschland. Da gab es natürlich überhaupt nichts in Richtung Computeranimation oder Visual Effects. Das fing erst irgendwann in den späten 90ern  richtig an. Es gab eine Animationsfilmklasse an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart.

 

Ich hatte das große Glück, dass mein damaliger Professor, nachdem ich nach fünf Jahren mein Diplom gemacht hatte, die Filmakademie Baden-Württemberg gegründet hat. Ich wurde in der ersten Klasse im Praxissemester mit aufgenommen worden, da waren wir glaube ich zehn  Leute, und habe dort sowohl meinen ersten Animationsfilm gemacht, als auch die ersten Schritte in Richtung Computeranimation gelernt. Aber ich hatte bereits mit Roland Emmerich MOON 44 (1989) gemacht während meines Studiums an der Kunstakademie und ich bin, wie man das so schön auf neudeutsch sagt „self-taught“. Ich habe mir also alles selbst beigebracht. Ich habe sehr viele Bücher gelesen, die Zeitschrift CINEFEX schon mit 17/ 18 Jahren abonniert. Da hab ich mein Grundstudium absolviert. Dann habe ich alles weitere bei der Arbeit mit Roland gelernt. Wir mussten eben viel erfinden.

 

Dann kam der Anruf  für INDEPENDENCE DAY. Roland hatte zwischenzeitlich bei dem Film STARGATE (1994) (bei dem ich nicht beteiligt war) Erfahrungen gemacht  mit den Amerikanern. Und er fand die, dass muss man einfach mal sagen, nicht sehr verlässlich z.B. was die Angaben eines Zeitrahmens angeht. Da hatte er dann sehr viel Freude gehabt als wir wieder als Team zusammengearbeitet haben. Ich habe  zehn Studenten der Filmakademie mitgenommen, nachdem wir für die ein Visum besorgt hatten. Natürlich haben am Ende 325 Leute an INDEPENDENCE DAY mitgearbeitet im Bereich Visual Effects. Aber die Studenten haben in wichtigen Funktionen gearbeitet. Das war im Kurzen der Weg von Bremerhaven über Stuttgart kurz nach Ludwigsburg bis hin zum Anruf aus Hollywood nach L.A.

 

SFF) Sie haben in den späten 80er bzw. frühen 90er Jahren Graphik-Design studiert. War es damals schon klar, wohin der Weg gehen sollte? Wollten Sie schon immer in den Bereich der visuellen Effekte oder hat sich das einfach „so“ ergeben?

 

VE) Kurz vorweg sei zu sagen, dass ich, wie viele spätere Kollegen aus meinen Bereich auch, vom ersten KRIEG DER STERNE-Film (1977) fasziniert war. Danach hatte ich mir vorgenommen, ich wollte unbedingt in den Bereich der Visual Effects. An Animation war ich vorher schon interessiert, hab dann aber festgestellt, dass man in Deutschland überhaupt nichts in Richtung Visual Effects machen kann

 

SFF)   War die grafische Technik zum Erstellen von visuellen Effekten in Deutschland zur damaligen Zeit überhaupt  vorzeigbar? Wollten Sie etwas verändern?

 

VE) Visuelle Effekte konnte man so gut wie gar nicht in Deutschland machen zu der Zeit ´86/87. Als wir dann 88/ 89 angefangen haben MOON 44 zu machen war das auch noch alles analog. Alles Modellbau. Helikopter an unsichtbaren Fäden oder  die Arbeit an einer Trickkamera die „Tracer Fire“ einarbeiten konnte wenn die Helikopter geschossen haben.  Aber es gab zu der Zeit halt noch überhaupt gar nichts digitales. Das fing erst alles  Jahre später an.

 

SFF) Ich denke, Ihre Profession steht in der Tradition alter und neuer Effekte (obgleich „neu“ hier auch schon ein zeitlich dehnbarer Begriff ist). Hatten oder haben Sie eigentlich Vorbilder im Bereich der visuellen Effekte wie z.B. Douglas Trumbull? Also Profis, die viele praktische und visuelle Effekte miteinander verbinden?

 

VE) Das ist richtig. Douglas Trumbull war tatsächlich mein größtes Vorbild. Und ich bin stolz darauf ihn seit vielen Jahren einen Freund nennen zu können.  Obwohl er an der Ostküste wohnt. Wir sehen uns meistens wenn er in LA ist. Vorgestellt wurden wir einen gemeinsamen Bekannten um 1996 herum. Und ja, es geht auch eben genau darum: die Verbindung neuer und alter Effekte. Das hat mich schon immer fasziniert.  Dazu muss ich sagen, dass der Modellbau, bis auf unglaublich einige Ausnahmen, tot ist.  Ich hab immer wieder versucht in Roland Emmerichs Filmen bis 2012 einige Modelle mit einzubauen. Aber es stellte sich heraus, die Modelle wurden immer teurer, weil man ein größeres Team braucht, als bei den digitalen Effekten, mit denen wir das dann gelöst haben

 

SFF.) Viele Regisseure haben Ihr “Stammpersonal” denen Sie blind vertrauen in mannigfaltigen Bereichen, wie die Combo Spielberg/ Williams oder Scorsese/ Richardson. Dasselbe scheint bei Ihnen und Roland Emmerich der Fall zu sein. Wie hat sich Ihre Zusammenarbeit denn entwickelt und seit wann?

 

VE) Das fing tatsächlich an als ich in Stuttgart Student war und ihn durch einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt hatte. Ich saß dann beim ihm in Büro, was interessanterweise nur 200 Meter durch reinen Zufall von meinen Studentenzimmer entfernt war bei dem ich damals zur Untermiete wohnte. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden: Science Fiction Fans, beide sehr belesen, beide dieselben Filme gesehen. Er hat auch sehr schnell meine Leidenschaft für die Arbeit an den visuellen Effekten erkannt. Vor allem, dass es bei mir nicht nur ein Übergangsjob war, wie bei vielen Leuten damals.  Die fanden das Mal für eine Weile interessant. Aber meist war es Ihnen zu mühselig und sie sahen darin keine Zukunft. Ich bin einfach immer dabei geblieben. Deswegen hatte er mich auch für UNIVERSAL SOLDIER in die USA eingeladen, wo ich für ein paar Monate gearbeitet habe. Natürlich ist die Zusammenarbeit nach INDEPENDENCE DAY und GODZILLA und weiteren Projekten immer enger geworden, weil ich wusste wie sich Roland etwas vorstellt. Deswegen ist das eine gute Kollaboration geworden.

 

Es hat auch was mit dem Zurückstecken des Egos zu tun. Ich konnte immer gut mit Roland arbeiten weil es diesen gegenseitigen Respekt gibt. Er wusste, dass wenn ich einen Vorschlag mache er diesen prüft und wenn er merkt, dass seine Idee die bessere ist wurde es in diese Richtung gemacht, oder auch umgekehrt. Wir haben einfach eine gute Teamarbeit gefunden, obwohl man sagen muss, dass diese Art von Filmemachen nur als Diktatur funktioniert, bei dem der Regisseur das Sagen hat. Sonst endet das Ganze im Chaos. Aber soweit es möglich war, haben wir wirklich eine professionelle Kollaboration gehabt. Natürlich ist auch ein Spaßfaktor dabei, denn das Ganze muss Spaß machen, da die Arbeit schon sehr mühsam und anstrengend ist.

 

SFF) Wenn man als Team arbeitet kann es häufig zu Differenzen kommen. Sehen Sie denn die Zusammenarbeit mit vielen kreativen Köpfen als Belastung oder als Chance?Kann es nicht dazu kommen, dass die eigentliche Vision, die man für die Erzählung einer Geschichte benötigt, hierdurch vernichtet werden kann? Oder gibt es eher einen Ruck in eine andere Richtung?

 

VE) Man muss das so sehen. Hier in den USA ist das wirklich wie eine Pyramide eingeteilt. Ganz oben sitzt der Regisseur, der sagt wo es lang geht mit dem Drehbuch und seiner Vision. Ich bin der Abteilungsleiter der Effekte. In diesem Team sind wiederum Leiter bestimmter Bereiche. Es geht wirklich nur mit dieser Arbeitsteilung. Es ist eine Hierarchie, das muss man akzeptieren. Natürlich, schließlich ist das hier das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hat man auch Aufstiegschancen. Manche Leute möchten das gar nicht. Sie wollen nur die Sachen machen die sie können. Da gab es z.B. den Chefkameramann der Miniaturenabteilung. Der wollte gar nicht Chefkameramann des ganzen Films werden. Aber es funktioniert nur, wenn man das so berücksichtigt. Nur so kommt es zu der tatsächlichen Teamarbeit, bei der der Teamleiter auch auf Vorschläge anderer hört. Es ist aber keine Diskussion Gleichrangiger, das würde zu Chaos führen.. Es muss zu einer kreativen Zusammenarbeit gefunden werden. Das ist auch in anderen Bereichen so wie z.B. beim Grafikdesign in Deutschland. Da gibt es ja auch die Leute die sagen wo es lang geht und dann gibt es die Leute die es ausführen. Das ist überall so.

 

SFF) Wenn Sie Ihre Effekte vorbereiten, welches Prävisualisierungskonzept bevorzugen Sie: Storyboards oder Animatics? Oder vielleicht sogar beides? Schließen Sich denn beide aus?

 

VE) Wir starten sehr gerne mit sehr schnell gemachten Storyboards aus denen sich die Animatics ergeben. Und das ist eigentlich ein hervorragender Weg. Bei einigen Sequenzen, wenn man die Assets gebaut hat (also als Beispiel die Kinder im Schulbus bei INDEPENDENCE DAY - RESSURGENCE) benötigt man das Storyboard nicht.

  

SFF.) Früher (und ich benutzte bewusst das Wort “früher”), hatte man das Gefühl, dass gut gemachte Effekte  den Film aufwerten, da sie der Geschichte dienen und manchmal eher unscheinbar sind. Ich habe das Gefühl, dass Filme aus der heutigen Zeit komplett überfrachtet sind mit Effekten und diese der eigentlichen Geschichte weniger dienen.

Wenn ich mal diese ganzen Filme aus der Asylum-Schmiede mir betrachte, habe ich das Gefühl, da sitzt ein Praktikant und fummelt an einem Grafikprogramm herum. Wie sehen Sie das? Zerstören solche Filme nicht den guten Ruf der Branche?

 

VE) Ich stimme Ihnen da zu. Ich bin kein großer Fan der Marvelfilme. Ich kann meistens mit Originstorys etwas anfangen, wie z.B. CAPTAIN AMERICA. Aber diese Filme die aus 3000 Einstellungen bestehen, von denen dann 2850 Effekteinstellungen sind, das übersteigt mein Fassungsvermögen und ist für mich keine gut erzählte Geschichte sondern ein Spektakel. Ich interessiere mich für Filme die mich visuell und emotional packen. Mein Lieblingsbeispiel ist der originale BLADE RUNNER, der, man mag es kaum glauben, je nach Quelle zwischen 80 – 100 Effectshots hat. Das ist für mich ein gutes Beispiel wie Effekte die Geschichte unterstützen.

 

Ich bin auch der Meinung, dass Filme aus der ASYLUM-Schmiede den guten Ruf der Branche zerstören, weil sie übers Knie gebrochen wirken und absichtlich schlecht aussehen. Das gibt diesem Bereich der Computeranimation, die gut sein kann wenn man sie richtig einsetzt, einen, wie man hier so schön sagt „bad name“.

 

SFF) Für UNIVERSAL SOLDIER (1992) haben sie auch die Leitung der Modellabteilung übernommen.  Was genau haben sie dort „miniaturisiert“?

 

VE) Die Modellabteilung waren genau drei Leute. Ich war mit Roland beim Dreh dabei im Canyon. Da ist eine Sequenz in der der Gefängnis Bus den Grand Canyon hinunterstürzt. Der Truck rammt den Bus (der Überschlag war übrigens Live-Action) und als beide in den Canyon stürzen (mit echten Hintergrund) das war alles real als Miniatur. Außerdem, weil Roland mich darum bat, hatte ich noch die Spezial Ausrüstung der Soldiers gebaut, die z.T. von Oliver Scholl entworfen wurde. Ich hatte da ein bisschen freie Hand und habe allerlei Zutaten in z.B. Toys R Us gekauft um die Headsets zu bauen oder die Temperaturmesser oder die Stimmmesser der Terroristen am Anfang.

 

SFF.) Sie sind ein Wanderer zwischen der “neuen” und der “alten” Welt. Gibt es bei der Arbeitsmoral bzw. generell  zur Arbeitsweise der Teams dieser beiden Kontinente Unterschiede? Wenn ja, welche?

 

VE) Die Arbeitsweise hat sich früher unterschieden, weil man es in Deutschland nicht gewohnt war, im künstlerischen Bereich in einer Hierarchie zu arbeiten. Das endete immer in einer großen Diskussion. Das hat sich aber völlig gewandelt. Die Firmen in Deutschland arbeiten heutzutage höchst professionell - und das meine ich im Guten - innerhalb dieser Hierarchie.  Es gibt tolle Künstler, auch in Deutschland, die wunderbare Vorschläge machen. Das ist alles gewünscht und wird auch gemacht. Deshalb arbeiten auch deutsche Firmen an Serien wie z.B. GAME OF THRONES, weil sie genauso tolle Arbeit abliefern wie die Amerikaner und Kanadier.

 

SFF) Ist es eigentlich schwer sich als Unternehmen durchzusetzen in dieser Branche?

 

VE) Ja es ist schwer aber mein Kompagnon Mark Weigert und ich, wir haben von Anfang an das Konzept durchgezogen, dass unsere Firma nur Künstler anheuert, wenn ein Projekt startet. Wir kaufen auch Computer nur für ein Projekt und verkaufen sie dann wieder für circa die Hälfte des Preises. Diese Methode ist eine sehr gute Methode und bedeutet für uns nicht die Belastung zu haben diese Firma am Leben zu halten. Wir mieten auch nur die Räume an die wir für ein Projekt brauchen. Das macht keiner so. Wir haben da ein Alleinstehungsmerkmal und wir würden das jederzeit wieder machen.

 

SFF) Haben sie eigentlich bestimmte Genres oder Filme die Sie überhaupt nicht mögen?

 

VE) Relativ einfach: ich bin kein Horrorfan. Das überschneidet sich manchmal. Aber reine Splatter- oder Horrorfilme oder blutige Vampirfilme sind Genres die mir nicht liegen.

 

SFF)  Im realen Leben bin ich Förderschulrat. Genauergesagt  Werk- und Sportlehrer für körperlich-beeinträchtigte Kinder. Ich mache dies aus Passion seit fast 20 Jahren. Was benötigt man Ihrer Meinung nach denn für Eigenschaften und Fertigkeiten, abgesehen von Enthusiasmus und Liebe zum Job, um Ihren Beruf auszuführen? Welche besondere Ausbildung o.ä. sollte man, Ihrer Meinung nach, besitzen um im visuellen Bereich Bestand zu haben?

 

VE) Es macht Sinn eine Ausbildung zu machen in z.B. Compositing oder 3D-Animation. Aber  allerwichtigste Fähigkeit, die man mitbringen muss, ist für mich die Fähigkeit zum Teamwork. Das darf man auch nicht unterbewerten. Es gibt fantastische Künstler am Computer, die aber nicht kommunizieren können. Die können dann zwar z.B. gute Kurzfilme herstellen, aber nie im Team arbeiten. Das ist wirklich das ein und alles. Eine Begabung für alles Visuelle ist natürlich entscheidend; wie nehme ich meine Umgebung war, wie arbeite ich mit Tiefe, Dreidimensionalität oder Abstraktion. Wir lieben es, wenn Artists z.B. auch Bleistiftskizzen machen können. Das ist eine tolle Vorraussetzung, damit wir wissen es ist kein reiner Programmierer ist, der da am Computer sitzt, sondern das derjenige auch Dinge fotorealistisch darstellen kann.

 

SFF) Denken Sie, dass Ihre Art des Filmschaffens genug gewürdigt wird? Ist das was Sie machen Kunst oder „nur“ ein weiterer technischer Aspekt von Filmen?

 

VE)Ja, das glaube ich schon. Es gibt inzwischen die Visual Effects Society Awards. Dann die Tatsache, dass es fünf Filme statt wie bisher drei sind, die für einen Oscar in der Kategorie VFX nominiert werden. Oder das bei DVDs oder Blu-Rays Making-Ofs drauf sind, wo sehr viel über VFX erklärt wird. Das trägt sehr viel dazu bei, dass das allgemeine Publikum diesen Beruf sehr viel mehr wahrnimmt und weiß, daß es dort Künstler gibt, die ganz tolle Arbeit leisten.

 

SFF) Ich habe mal in einer Dokumentation während der Promotion zu INDEPENDENCE DAY gesehen, wie eine Szene aus den Film erläutert wurde. Dabei wurde gefragt, wie die Trickabteilung den Faden des Militärjets bei der Verfolgung im Canyon verschwinden ließ. Die Antwort lautete: „Mit einer Taschenlampe:“ Können Sie mir sagen, ob dies wahr ist und haben Sie bei diesen Film viel mit solchen ganz simplen, aber wirkungsvollen Tricks gearbeitet?

 

VE) Einen Trick, um mit einer Taschenlampe Fäden verschwinden zu lassen, kann ich jetzt gerade nicht nachvollziehen. Wir haben allerdings oft mit sehr vielen simplen Tricks gearbeitet. Speziell im Canyon sind die meisten Shots des Militärjets zwar computeranimiert, aber der Canyon ist immer Modell und in zwei/drei Shots real. Einige Shots, vor allem bei Explosionen, das waren straff gespannte, sehr dünne Metallseile, die durch die Flügel und Mitte des Jets gingen. Dieser wurde dann mit Hilfe eines weiteren Metallfadens in einer sehr hohen Geschwindigkeit entlang gezogen . Oder mein Lieblingsshot bei den einfachen Tricks:  als die Air Force One vor dem Sonnenuntergang fliegt, hängt sie an 0,06 mm dicken Angelschnüren. Der Hintergrund ist ein großes aufgeblasenes Foto. Und wenn ich sage groß, dann meine ich drei Meter hoch und vier Meter breit. Das Modell ist 60-80 cm lang und wir haben gleichzeitig die Sonne mit Hilfe einer Glühbirne simuliert, die wir über dem Objektiv der Kamera befestigt haben. Die haben wir dann hochgedimmt. Das machte das ganze realistischer.

 

SFF) Bei der ersten US-Version von GODZILLA (1998) waren Sie auch mit an Bord. Gab es zum Design des im Film zusehenden Godzillas bestimmte Vorgaben, die Sie einhalten mussten oder anders gefragt: Hatten Sie bei der Gestaltung viel Freiheit? Waren Sie im Prozess des Designs mit involviert?

 

VE) Bei GODZILLA war ich nicht beim Design involviert, das war Patrick Tatopoulos. Was mir bei den ersten Konzeptbildern gefallen hat, war das Godzilla sich  echsenartig um einen Wolkenkratzer schlang. Das war aber etwas was im späteren Film nicht umgesetzt wurde. Ich verstehe die Kritik, das es ein Godzilla ist der wie ein T-Rex wirkt statt Godzilla. Aber es wurde von den Toho-Studios abgenommen.

 

SFF)  Eine Frage stellt ich stets am Ende: Welches war den der mit Abstand  schwerste Effekt an dem Sie gearbeitet haben und warum war das so?

 

VE) Sehr schwer zu beantworten. Ich pick da mal zwei raus. Einmal eine Sequenz in 2012. Dort geht das Erdbeben wie eine Art Welle durch LA, welche sich von der Kamera wegbewegt. Das ist eine Einstellung an der wir Monate gearbeitet haben. Da muss man an so vielen Details und Animationen und Lichtsetzung arbeiten bis alles stimmt. Das war eine Herausforderung. Man konnte Referenzfotos machen: wie sehen die Zäune aus, wie reflektiert die Sonne, wie bewegen sich die Palmenblätter. Das war wirklich unglaublich schwierig zu lösen, aber ich finde, der Shot ist sehr gut geworden. Der andere ist die Explosion des weißen Hauses in INDEPENDENCE DAY. Was daran so schwer war, ist die Tatsache, dass, als wir diese Szene drehten (mit sieben Kameras) war die Presse eingeladen. Da waren 60 Journalisten, die sich das Ganze angucken durften. Wir hatten einen Riesendruck, wenn die Explosion nicht funktioniert. Weil ich aber mit Joe Viskocil, einem Meister seines Fachs, ausgeklügelt hatte einen Tag vorher einen Test mit einem Stück Mauer zu machen, haben wir festgestellt, daß das Timing nicht stimmte - wie die Außenwand zuerst explodiert und dann die große Explosion von innen kommt – und so konnte wir das bei der eigentlichen Explosion vor der Presse am nächsten Tag noch korrigieren. Es hat dann alles gestimmt. Während des Drehs geht die Explosion so schnell von statten, dass man es mit blossem Auge nicht erkennen kann. Es gab einen großen Knall und den Feuerball und alle waren zufrieden. Aber wirklich konnten wir das erst am nächsten Tag überprüfen, nachdem wir die Muster gesehen hatten.

 

SFF.) Lieber Herr Engel. Ich bedanke mich für die Möglichkeit mit Ihnen sprechen zu können. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute.