Science Fiction Filme) Sehr geehrter Mr. Morgan. Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Zeit nehmen ein paar Fragen für mich zu beantworten. Sie haben viele tolle Modell- und Miniaturarbeiten für grandiose Filme wie BATMAN (1989), ALIENS (1986), BATMAN BEGINS (2004) oder auch für die HARRY POTTER-Reihe fabriziert. Könnten Sie bitte so freundlich sein, und uns mal einen  kleinen Einblick in ihr Leben VOR dem Film geben?

 

Greg Morgan) Vielen Dank, dass es noch Leute gibt, die sich für diese Art der Arbeit interessieren. Also um ehrlich zu sein, war ich ein hoffnungsloser Schüler. Ich schloss die Schule mit einer eins in Kunst ab. Das war es aber auch. Was ich jedoch hatte, war ein starkes Interesse an einigen ziemlich dunklen Dingen. Ich war besessen von dem Film ALIEN (1979), vom Modellbau, von gepanzerten Kampffahrzeugen und vom Bugatti Royale (Anmerkung von SFF: ein Oldtimer der Firma Bugatti). Nach einer Ausbildung als Kfz-Mechaniker für ein Jahr sah ich in meinem örtlichen Jobcenter einen Aushang vom Verteidigungsministerium. Diese suchten einen Modellbauer, der Erkennungsfahrzeuge in Miniatur herstellen sollte. Das erweckte mein Interesse und war mein Traumjob zu der Zeit. Einige Jahre später fand ich im Telefonbuch eine Modelfirma namens Model Effects, die Modelle für die Filmbranche herstellte. Sie arbeiteten an einem Film mit dem Namen GUNBUS (1986). Ich meldete mich und bekam den Job.

 

Nachdem die Firma einige Monate an dem Film gearbeitet hatte, bekamen sie den Auftrag viel Modellarbeit für ALIENS (1986) zu erstellen. Du kannst Dir sicher vorstellen wie aufgeregt ich war als großer Fan des Originalfilms. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich habe unter anderem die Grundstruktur der Sulaco erstellt, die in den Pinewood Studios fertiggebaut wurde. Nigel Blake half dabei, das Jelutong-Muster (Anmerkung von SFF: Jelutong ist eine Baumart aus der Familie der Oleanderhölze und wird, ähnlich wie Balsaholz für den Modellbau verwendet) für das Dropship zu erstellen. Ich kann mich gut erinnern, wie Ron Cobb (einer meiner Helden aus dem ersten Film) in unsere Werkstatt kam und Ideen skizzierte. Es war eine sehr glückliche Zeit und ich arbeitete die nächsten 25 Jahre als freiberuflicher Modellbauer.

 

ALIEN (1979) war der Film der mich umgehauen hat. Ich konnte schon immer gut handwerklich arbeiten. Aber um ehrlich zu sein, war ich nicht am Prozess der Filmentstehung interessiert. Abgesehen davon, dass ich immer die beste Qualität abliefern wollte. Ich mochte es überhaupt nicht stets auf Abruf zu sein. Manchmal wurden auch Modelle gefilmt, die aus purer Langeweile entstanden. Dann begann die blinde Panik wenn etwas schief ging oder man mal wieder Aufmerksamkeit benötigte.  Ein Modellbauer war in der Hierarchie am Set ganz unten, was mich früher wütend machte.

 

SFF.)  Können Sie uns sagen, wie Sie ein so großes Modell wie das Batwing aus BATMAN (1989) von den ersten Skizzen  bis zum Endprodukt herstellen. Verwenden Sie Kitbashing, Fiberglas, Holz?

 

G.M.) Der Batwing war ein ziemlich geradliniges Modell. Das Design stammt von Anton Furst und uns wurden Zeichnungen in voller Größe zur Verfügung gestellt. Die Form des Musters war sehr einfach. Die Flügel hatten einen konstanten Querschnitt und wurden aus MDF-Platten mit einem Profil an der Kante gefertigt. Der Rumpf wurde in Jelutong geschnitzt. Das Muster wurde dann in Glasfaser geformt, um eine Glasfaserkomponente herzustellen. Der Baldachin (Anmerkung von SFF: das Glasdach) wurde von einer Platte aus erhitztem Plexi-Glas über ein Gelierwerkzeug gezogen. Es wurden Details hinzugefügt, einige pneumatische Antriebe, ein ferngesteuerter Pilot für etwas Bewegung und das war es auch schon.

 

SFF.) Was denken sie benötigt man als Voraussetzungen um in ihrem filmischen Ressort arbeiten zu können?

 

G.M.)ich kann gut mit den Händen arbeiten und habe ein Auge dafür, wie etwas richtig aussehen muss. Auch wollte ich immer der Beste in meinen Bereich sein. Ich habe keinerlei Ausbildung in diesen Bereich, weil ich damals kein Interesse hatte eine Ausbildung zu machen. Ich sage nicht, dass dies der richtige Weg ist. Aber ich hoffe, dass meine Karriere zeigt, dass man auch etwas erreichen kann wenn man etwas will.

Ein Film ist ein sehr kollaborativer Prozess, der aus vielen Leuten besteht. Aber nur wenige von ihnen könnten als Künstler bezeichnet werden.

 

SFF.) Denken sie, dass die Filme an denen sie gearbeitet haben eine größere Bedeutung haben als nur zur Unterhaltung? Kann ein Film dem Menschen etwas transportieren?

 

G.M.) DER WEIßE HAI (1974) hat bei jedem Menschen Angst erzeugt ins Wasser zu gehen. Aber ich denke, dass alle Filme, an denen ich gearbeitet habe als Vehikel gemacht wurden um Geld zu generieren und nicht aus altruistischen Gründen.

 

SFF.) Sie haben die Filmindustrie verlassen. Was machen Sie denn heute?

 

G.M.) Als ich 2004 bei BATMAN BEGINS  aufhörte, waren die Tage der großen Budget-Miniatureffekte so gut wie vorbei. Die meisten Leute die als Modellbauer tätig waren mussten umsteigen. Und zwar in den Bereich der Filmrequisiten die immer noch gefragt sind. Die branchenübliche Lohnstruktur sah vor, dass ein leitender Techniker in der Miniaturabteilung genauso behandelt wurde wie  ein Spezialeffekttechniker. Dies gilt jedoch nicht für einen Requisitenbauer. Vor ungefähr zehn Jahren wurde ich gebeten, Bugatti-Autos zu entwerfen und zu entwickeln. Dies war immer mein wahrer Traumjob, und ich habe meine eigene Firma die das macht. Ich habe seitdem nicht zurückgeschaut. Ich habe eine große CNC-Maschine und 3D-Drucker und mache immer noch Dinge für Star Wars usw. Wenn ich damals solche Geräte hätte, wäre meine Arbeit einfach gewesen!

 

SF.) Apropos „einfacher gewesen“: Was war den der schwierigste Effekt an dem sie gearbeitet haben?

 

G.M.) Das schwerste an dem Job war immer die recht kurze Zeitspanne die man hat um etwas zu bauen. Ich führte den Workshop für den ersten Harry Potter-Film und wir hatten nur sechzehn Wochen  Zeit um das komplette Modell von Hogwarts zu bauen. Das war eine Menge Arbeit die in der Zeit zu erledigen war. Der von mir für BATMAN BEGINS  angefertigte  Tumbler im Maßstab 1:4 war technisch sehr schwierig, da es ein so unkonventionelles Design hatte und extreme Stunts ausführen musste. Meine Lösung bestand darin, es fast ausschließlich aus Kohlefaser zu bauen. Am Set funktionierte es sehr gut, aber wir mussten viele Nachschichten einlegen.

 

SFF.) Lieber Mr. Morgan. Vielen Dank für dieses offene und ehrliche Interview. Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg mit Ihrer Firma.