Science Fiction Filme) Lieber Mr. Sherman. Viele Filmfans kennen Ihre Filme wie POLTERGEIST III (1989), TOT & BEGRABEN (1981) oder NACHTRATTEN (1982) die sie als Regisseur gedreht haben. manchmal ist es aber so, dass man den Mann hinter dem Kreativen weniger kennt. Könnten sie uns einen kleinen Abriss Ihrer bisherigen Laufbahn präsentieren. Wie kamen Sie ins Filmgeschäft?

 

GS) Ich freue mich etwas über mich erzählen zu können. Ich drehe Filme seitdem ich 17 Jahre alt bin. Also war das einzige was ich tat bevor ich ins Filmgeschäft einstig erwachsen zu werden. Ich wollte schon immer Künstler sein und war auf der Suche nach dem passenden Medium. Ich ging auf das Institute of Design, welches zu der Zeit als neues BAUHAUS betitelt wurde. Als Hitler in Deutschland an die Macht kam, wanderten Moholy Nagy und andere BAUSHAUS-Künstler nach Chicago aus und gründeten das ID. wie es beim BAUHAUS der Fall ist, hat man im ersten Jahr viele verschiedene Kunstrichtungen kennengelernt. Ich entdeckte die Fotografie für mich und später fand ich in einem alten Lagerhaus eine Arriflex. Da kam dann beides zusammen und ich hatte mein Schicksal gewählt.

 

 SFF) Sie drehten so unterschiedliche Filme wie TOT & BEGRABEN, TUNNEL DER REITENDEN LEICHEN oder GESUCHT: TOT ODER LEBENDIG mit dem kürzlich verstorbenen Rutger Hauer. Wie bereiten sie sich denn auf einen Stoff vor? Gibt es da eine Gemeinsamkeit in der Auswahl?

 

GS) Alle meine Filme, mit Ausnahme von POLTERGEIST III (das erkläre ich später) sind ausnahmslos politisch motiviert. Ich bin ein sehr politisch aktiver Mensch und glaube, dass Genrefilme sehr gut sozial-politische Botschaften tragen können ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen. Ich suchte folglich immer Geschichten, bei denen man dies nachvollziehen kann.

 

 SFF) Haben Sie denn, beruflich gesehen, bestimmte Vorbilder?

 

GS) Oh, da gibt es einige: Alfred Hitchcock, Roman Polanski, Bob Fosse, Sergei Eisenstein, Mike Nichols, Charlie Chaplin, Costa-Gravas, Luis Bunuel, Andrei Tarkovsky, Joseph von Sternberg, Frank Capra und viele mehr. Immer wenn ich deren Filme sehe denke ich: „Ich wünschte ich hätte den gedreht.“

 

SFF) Während meiner Recherche las ich, dass Sie auch Musik gemacht haben und sich in der Menschenrechtsbewegung in den vereinigten Staaten engagiert haben. Stimmt das und was genau machten Sie denn in dieser angespannten Zeitperiode?

 

GS) Musik war schon immer ein Medium welches ich liebte bevor ich das Filmemachen entdeckte. Und wie gesagt: ich war schon immer politisch. Aber wenn man sich mal die heutige Welt ansieht, dann habe ich anscheinend nicht genug getan. Es ist unsere Pflicht weiterhin für eine bessere Welt zu kämpfen für alle. Vollkommen unabhängig der Rasse, Farbe oder Religion.

 

SFF) Da gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht. Hat diese Einstellung auch dazu geführt, dass ihre Filme stets ein wenig düster und bedrohlich wirken? Verarbeiten sie persönliche Ängste in Ihren Filmen?

 

GS) Schon ganz früh habe ich immer versucht meine Ängste zu verarbeiten. Wenn man in Chicago aufwächst, hat man es immer mit Mord und Gewalt zu tun. das war an der Tagesordnung und man war immer sehr emotional berührt wenn man so etwas las. So gesehen, hab ich auf jeden Fall eine dunkle Seite in mir, die ich in meinen Filmen verarbeite. Wenn man mich das erste Mal trifft, sind die meisten überrascht wie zuvorkommend ich bin. Als ich das erste Mal den Produzenten Robert Shaye traf, Gründer von New Line, sah er mich an und sagte: „NACHRATTEN, Sherman?“ Ich bestätigte. Er: „No fucking way!“

 

 SFF) Mein “Guilty Pleasure“- Film ist POLTERGEIST III. Ich finde ihn nach wie vor sehr gut. Wie sehen Sie diesen Film mit Ihren heutigen Augen? Können Sie die Kritiken nachvollziehen?

 

GS) Ich bin ziemlich stolz auf die Effekte. Es ist einer der letzten großen Filme, die mit praktischen Effekten arbeiteten. Kein CGI oder optische Effekte.  davon abgesehen ist es nicht mein Lieblingsfilm und ich kann Kritiker verstehen, die den Film nicht mögen und die die technischen Herausforderungen nicht verstanden haben. Weder Brian Taggert oder ich haben das Drehbuch gut ausgereizt. Auch das wir Heather während der Dreharbeiten verloren machte den Film noch trauriger.

 

SFF) Sie haben mit vielen talentierten Filmschaffenden zusammengearbeitet wie mit Rutger Hauer oder Kameramann John Alcott. Haben Sie von jemand Besonderen viel lernen können?

 

GS) Ich habe immer versucht mit Menschen zusammen zuarbeiten, von denen ich viel lernen kann. Ich wählte z.B. Geoff Foote für den Schnitt zu TUNNEL DER REITENDEN LEICHEN, da er viel Erfahrung mitbrachte. Er war Mitte 60 und ich Anfang 20. Als ich ihn traf sagte ich: „Wie möchten Sie gerne arbeiten?“ Er antwortete: “Du bist der Boss. Sag Du es mir.“ Ich erwiderte: „Sie haben Ihren Weg gefunden und einen Haufen Filme gemacht:“ Er darauf: „Nein. Sobald ich anfange zu stagnieren und nichts mehr neues Lernen kann, dann würde ich sofort aufhören.“ Das war einer von vielen weisen Sätzen die Geoff mir sagte.

 

SFF) Sie sind Produzent, Autor und Regisseur. Gibt es eine besondere Bevorzugung der Arbeit im Filmgeschäft?

 

GS) Nein. ich liebe alle Aspekte. Ich bin jetzt in „Halb-rente“. Was ich momentan am Liebsten mache ist bei Filmfestivals Filme zu bewerten und mit jungen Filmemachern zu diskutieren. Es gibt immer noch genug was ich lernen kann.

 

SFF) Wir alle haben unsere Lieblingsfilme. Aber welche Filme mögen Sie denn überhaupt nicht und warum?

 

GS) Namen kann ich nicht nennen, aber ich kann die Filme beschreiben, die ich nicht mag:

1.      Torture Porn – Diese Bastardierung des Horrorgenres brachte mich weit vom Horror ab. ich bin froh zu sehen, dass solche Filme ihre Popularität verlieren.

2.      Zügellos anspruchsvolle Filme um das Ego eines Regisseurs zu befriedigen. Ich glaube wir als Filmemacher haben eine Verpflichtung gegenüber unserem Publikum, nicht uns selbst gegenüber.

3.      Filme von sogenannten Filmemachern, die sich nicht die Zeit genommen haben ihr Handwerk zu lernen und den Respekt vor unserer Aufgabe verloren haben.

 

SFF) Da sie schon die Problematik des Respektes ansprechen. Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen um Regisseur zu werden?

 

GS)  Die einfachste Antwort wäre: Man kann keine großartige Zukunft gestalten, wenn man nicht das Wissen und Respekt vor der Geschichte hat. Studiert was geschehen ist. Lernt die Kunst von den großen Meistern. Nachdem Ihr dies gemacht habt, erschafft euch eine eigene Geschichte.

 

SFF) Aus der Geschichte lernen für die Zukunft. Wunderbare Worte. Was machen sie denn in Zukunft?

 

GS) Ich habe einige Eisen im Feuer aber ich habe gelernt nicht über Filmprojekte zu reden bis zur zweiten Woche des Drehs. Bis dahin sind sie nicht real (lacht). Momentan bin ich eher daran interessiert eine Website nebst Forum einzurichten, bei der man sich als Filmemacher austauschen kann. Ich beantworte Fragen und helfe wo ich kann. Bald mehr dazu. In der Zwischenzeit bin ich gerne auf Filmfestivals als Jurymitglied. Falls es also in Deutschland mal ein Festival gibt, bei dem ein Jurymitglied gesucht wird: einfach fragen. Nach Deutschland wurde ich noch nie eingeladen.

 

SFF.) Ich gebe das einfach mal so weiter. Vielleicht meldet sich ja jemand. Ich bedanke m ich bei ihnen auf jeden Fall für die Zeit und den tollen ehrlichen Antworten.

 

GS) Ich habe zu danken. Die Fragen waren wirklich großartig.