Wilmer Cable Butler – Geboren am  07.04.1921 in Cripple Creek, Colorado, USA; Gestorben am 05.04.2023 in Los Angeles, Kalifornien, USA

 

Die Arbeit des Auges beim Menschen übernimmt bei filmischen Produktionen die Kamera. Und nicht nur das. Die Kamera, bzw. die Arbeit mit dieser Visuellen Hilfe, kann uns nicht nur verzaubern und für zwei Stunden in eine andere Welt transportieren. Die Kamera kann uns austricksen. Uns verblüffen mit Dingen, die es so in der Realität nicht gibt. Es fliegt die Kamera und verfolgt die Protagonisten bei ihrer Reise, wie beispielsweise die Jagd der Nazgul auf Frodo im Wald bei DER HERR DER RINGE (2001) oder die geniale 360 Gradfahrt im Auto bei CHILDREN OF MEN (2006). Wir blicken auf den Gillman in DER SCHRECKEN VON AMAZONES (1954) unter Wasser. Wir reisen durch die Speiseröhre bis hin zum Chestburster bei Leland Orser in ALIEN – DIE WIEDERGEBURT (1997).

 

All dies sind kameratechnische Tricks, die uns eine Welt suggeriert, die man noch nie sah oder die es so nicht gibt. Die Kamera im Film ist das Auge für uns. Sie zeigt auf, sie verdunkelt vieles, sie spielt mit Licht und Schatten und durch viele technische Raffinessen, gewährt uns die Kamera einen Blick auf die visuelle Realität im filmischen Kontext. Die Kamera kann also vielerlei Dinge. Aber all dies macht natürlich nicht nur der DoP (Director of Photographie oder Hauptkameramann). Man benötigt viele Menschen um die Illusion in der Kamera einzufangen. Da gibt es den Gaffer also den Beleuchter. Er beaufsichtigt die Abläufe und das Personal der Beleuchtungsabteilung. Wir haben den Camera Operator auch Schwenker oder Kameraoperateur genannt. Er bedient physisch die Kamera.  Hierbei können Kameramänner Schwenker sein, aber Schwenker keine Kameramänner.  Oder wir haben den Additional Photographer, den zusätzlichen Kameramann. Dieser nimmt im Film enthaltene Szenen auf. Er beaufsichtigt die Fotografie dieser Szenen und bedient möglicherweise die Kamera. Dafür muss er sich nicht in einer dafür vorgesehenen Einheit befinden. Auch Unterwasserkameramänner darf man nie vergessen. Was wäre DER WEIßE HAI (1974) ohne den Blick ins kühle Nass? Und it diesem Film hatte Wilmer C. Butler viele tu tun.

 

Das Leben und das Schaffen von William „Bill“ Butler aufzuzählen wäre eine enorme Reise durch die Welt des populären Films. Früher, als ich noch gebannt vor dem Fernseher saß als junger Bub, sah ich häufig im Vor- oder Abspann den Namen William Butler oder Bill Butler. Erst Jahre später wurde mir klar, dass dies die gleiche Person war. Und dann merkte ich, bei wie vielen Filmen dieser Mensch mitgewirkt hat. Er verstarb im biblischen Alter von 101 Jahren in L.A.

 

Butler wuchs im ländlichen Gefilden auf einer Farm auf. Genauer gesagt in einer Blockhütte. 1926 zog die Familie nach Mount Pleasent in Iowa wo er 1940 seinen Highschoolabschluss machte. Danach ging er zum Studium der Ingenieurkunst auf die University of Iowa. Dieses Studium prägte ihn, denn es war das technische, bei dem er im Film Fuß fasste. Zunächst arbeitete er in einer Radiostation in Indiana. Anschließend zog er nach Chicago, wo er bei der ABC-Filiale und später bei WGN-TV an der Gestaltung und dem Aufbau der ersten Fernsehsender mitwirkte. Butler bediente die Live-Kamera und hier wurde auch schon seine Prämisse beim Film gestaltete: den realistischen Anblick durch die Linse. Hier lernte er auch den späteren Regisseur William Friedkin (DER EXZORZIST, 1973) kennen.

 

Friedkin bat Butler, als Kameramann an THE PEOPLE VS. PAUL CRUMP (1962) mitzuwirken, einem Dokumentarfilm über einen Gefangenen, der in Illinois hingerichtet werden sollte. Butler verblieb zunächst einige Zeit bei Dokumentationen und Live-Sendungen. 1970 zog er dann nach Los Angeles.

1967 kam dann sein erster Film für das Kino FEARLESS FRANK auf die Leinwand. Es folgten viele weitere Filme wie DIE SIEBEN PRANKEN DES SATANS (1971), MAGNUM HEAT (1972) oder DER DIALOG (1974). Im diesem Jahr fotografierte er zudem den ersten riesigen Blockbuster der Filmgeschichte: DER WEIßE HAI. Ebenfalls in diesem Jahr drehte er EINER FLOG ÜBERS KUCKUCKSNEST, für den er zusammen mit Haskell Wexler für den Oscar nominiert wurde. Dieser Film war ein gigantischer Erfolg und Butler drehte infolge dessen noch viele weitere Filme die Erfolge hatten. Hier nur eine kleine Auswahl: CAPRICORN ONE (1979), ROCKY II/III/IV (1979/82/85), CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE (1988), HOT SHOTS (1991), ANACONDA (1997) oder DÄMONISCH (2001).

 

Mit Butler verlässt uns eine wahre Ikone der Fotografie.