Science Fiction Filme) Ich danke Ihnen zunächst für die Möglichkeit mit Ihnen sprechen zu können. Man kann ja durchaus sagen, dass sie sind ein „alter Hase“ im SFX-Business sind. Schließlich haben Sie schon an unzähligen tollen „Monster“-Filmen maßgeblich mitgewirkt wie in GREMLINS 2 (1990), GUYVER: DARK HERO (1994), bei dem Sie auch Regie führten oder PREDATOR (1987). Erzählen Sie uns doch mal etwas über sich selbst. Quasi eine kleine Kurzbiografie.

 

Steve Wang) Kein Problem. Danke, dass Du Dich für meine Arbeit interessierst. Ich habe relativ jung, mit 19 Jahren, im Filmgeschäft angefangen und Make-Up-Effekte gemacht. Vorher habe ich die übliche Jobmaschine absolviert: Geschirr gespült oder als Tankwart gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich mir selbst die Kunst der Make-Up-Effekte, das Malen, die Bildhauerei und die Arbeit mit prosthetischen Masken beigebracht.

 

Informationen waren in den späten 70er und frühen 80er Jahren sehr schwer zu bekommen, so dass man keine andere Wahl hatte als sich selbst zu unterrichten. Ich hatte schon als Kind eine Faszination für Monster. Das war alles was ich je machen wollte. Von daher war der Schritt zum Spezialisten für Make-up-Effekte eine logische Schlussfolgerung.

Meine ersten Erfahrungen waren einige lokale Fernsehsendungen und Filme in San Francisco von denen noch niemand etwas gehört hat. Das war von 1980 bis 1984. Dann im Jahr 1985 packte ich meine Sachen und zog nach Los Angeles um meine Karriere voll zu starten. Ich hatte das Glück mit Stan Winstons Team INVASION VOM MARS (1986) zu machen. Das war der erste Film. TANZ DER TEUFEL 2 (1987) war etwa 10 Monate später.

 

Mein damaliger Mitbewohner, der fantastische Matt Rose (der vor kurzem gestorben ist, Anmerkung von SFF) arbeitete bereits für Stan Winston an INVASION. Mit ihm habe ich angefangen Monster zu erschaffen und er erzählte mir, dass man noch jemanden sucht für einen Job. Ich gab mein Portfolio ab, wurde zum Interview eingeladen und wurde angestellt.

 

SFF.) Und was hat Sie inspiriert weiterhin an solchen Filmen zu arbeiten?

 

S.W.) Nun, meine allererste Erfahrung mit der Welt von Spezialeffekten war ULTRAMAN (1972). Das hat mich als Kind begeistert und wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ich bin mit all den Universal-, Hammer- und anderen Monsterfilmen der 1950er-70er Jahre aufgewachsen. Aber die Filme, die mich wirklich ernsthaft daran interessierten Monster zu erschaffen, waren DER SCHRECKEN VON AMAZONAS (1954), DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982), DAS TIER(1981) und AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON (1981). Der Künstler der den größten Einfluss auf mich hatte war Rick Baker. Er ist der Nonkonformist und Innovator, sowohl bei der Entwicklung von Werwolf-Transformationen als auch bei der Erneuerung der höchsten Form von Charakterdesigns und -kreationen.

 

SFF.)   Neben der Arbeit fürs Kino haben Sie auch einiges für TV-Serien gemacht. Wie sieht denn die Arbeit für das Fernsehen aus?

 

S.W.) Für POWER RANGERS LOST GALAXY (1999) wurde ich als Regisseur für eine Episode namens RETTUNGSMISSION eingestellt. Für KAMEN RIDER DRAGON KNIGHT (2008 – 2010) war ich zusammen mit meinem Bruder Mike der Showrunner der Sendung. Wir waren für die Erstellung der US-Version verantwortlich. Also  Storys, Drehbücher und die eigentliche Produktion. 40 Episoden machten wir. Wir haben einen Emmy für die beste Stuntkoordination gewonnen. Beim Fernsehen ist ein sehr schneller Entstehungsprozess. Du rennst und rennst und versuchst nicht zurückzufallen. Es ist definitiv eine Herausforderung. Beim Film haben wir tendenziell mehr Zeit für alles.

 

SFF.)  Sie haben bereits für viele namhafte SFX-Studios gearbeitet wie für Stan Winston, Cinovation oder für Screaming Mad George in ganz unterschiedlichen Funktionen. Sei es bei der Bildhauerei, dem Malen, der Ausstattung, Drehbücher schreiben oder auch Regie führen.  Was ist denn Ihre Lieblingsbeschäftigung im Film?

 

S.W.) Ich hatte das Glück als Art Director für viele dieser Größen tätig zu sein. Ich musste viele kreative Designentscheidungen treffen und dessen Ausführungen überwachen. Zudem musste ich auch viele neue Techniken entwickeln. Diese Jobs waren alle auf ihre Weise großartig.

 

SFF.) Soll Ich Ihnen mal was sagen? Für mich sind Sie einer der besten Monstermacher in der Branche. Und genauso wie Sie, bin auch ich dem ganzen Kaiju-Zeug verfallen. KAMEN RIDER (die alte 70er-Jahre-Serie) ist nach wie vor einer meiner Lieblinge. Sie haben selbst in den 2000er Jahren an einer KAMEN RIDER-Serie gearbeitet. Daher kam ich auf Sie zu. Was ist denn Ihre Meinung über diese Art von filmischer Subkultur?

 

S.W.) Danke für die freundlichen Worte. Für mich ist diese Art von Show eine Ansprache an unser innerstes Kind. Sie fordern deine Sinne für das Staunen, für das Erleben heraus. Ich bin mit diesen Shows als Kind groß geworden. Die wahre Größe dieser Art von TV-Sendungen und Filmen ist das Verweilen der Vorstellungskraft in deinem Gedächtnis. Ich betrachte mich als ein "Monster-Kind". Ein Name der in unserer Branche geprägt wurde um die Liebe und Leidenschaft eines Erwachsenen für Monster zum Ausdruck zu bringen. Ich könnte jetzt auch noch viel über Kaijus und Tokusatsus sagen, aber die Zeit reicht nicht.

 

SFF.) Wenn wir schon gerade beim Thema “Monster” sind hätte ich da auch mal eine Frage. Wie entsteht eigentlich Ihr Monsterdesign? Nach welchen Kriterien entscheiden Sie wie ein Monster auszusehen hat?

 

S.W.) Es ist eigentlich ganz einfach. Das Skript beschreibt die Kreaturen und falls nicht dann bekommt man zumindestens ein Gefühl für den Ton des Films und der Atmosphäre der Geschichte. Dabei entstehen die Bilder in meinen Kopf. Der nächste Schritt ist, dass man sich eine Liste erstellt, was man wann erledigt haben möchte und wie das auszusehen hat. Wenn man z.B. im Drehbuch steht, dass irgendetwas jemanden beißt, dann muss man sich Gedanken über die den Mund oder die Zähne machen. Das Drehbuch gibt mir Inspiration für das Design und danach kanalisiere ich diese Gedanken durch meinen Verstand. Ich erhalte dadurch einen Entwurf dieses filmischen Universums und übersetze sie in Zeichnungen und Entwürfen. Dann erst kommt der technische Aspekt, das Handwerk: Bildhauerei, Spritzgussanstrich, Animatronik usw. bis alles fertig ist.

 

SFF.)  Da bleibt nur zu hoffen, Sie können noch viele schöne Monster erschaffen. Bekommen wir denn bald wieder etwas von Ihnen zu sehen?

 

S.W.) Ich habe viele Drehbücher die ich verfilmen  möchte. Viele davon sind Science-Fiction- oder „Kreaturen“- Filme. Aber ich weiß nicht, ob einer von ihnen jemals gedreht werden wird. Es ist sehr schwierig einen Film finanzieren zu lassen. Ich kann es nur weiter versuchen.

 

SFF)  Dann hoffe ich doch mal, dass es Ihnen gelingen wird weiterhin tolle Filme zu drehen. Wo wir gerade beim Gelingen eines Films sind: Gab es mal ein Projekt, bei dem sie fast verzweifelt sind?

 

S.W.) Ich hatte in der Vergangenheit viele schwierige Projekte. Aber eine der schwierigsten ist die Statur von Tyrael für BLIZZARD-Entertainment. Wir hatten nur 6 1/2 Wochen Zeit um ihn zu bauen. Er hatte 6 lange Ranken die nicht nur mit 5000 LEDs beleuchtet werden und die computergesteuert sind, sondern er musste auch eine durchscheinende Abdeckung haben. Aufgrund des großen Umfangs und der komplizierten Verdrehung der Formen und der Art, wie sie über die LEDs gleiten muss, war es unmöglich dies traditionell mit Formen und Gießen herzustellen. Es musste speziell hergestellt werden, aber ich wusste nicht ob es solch ein Material gab. Ich habe wochenlang versucht viele Materialien auszuprobieren, aber nichts hat funktioniert. Es war eher Zufall, dass ich das passende Material gefunden habe. Es ist zu kompliziert, um darauf einzugehen. Ich möchte nicht die Leute verwirren, die dies lesen und den technischen Prozess unseres Handwerks nicht verstehen. Sagen wir einfach, wir hätten fast versagt und ein Wunder geschah!

 

SFF.) Lieber Mr. Wang. Ich bedanke mich bei Ihnen für die Zeit und die netten Worte. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute.

 

S.W.) Ich habe zu danken. Es war mir eine Freude.