Science Fiction Filme) Sehr geehrter Herr Skotak, ich bedanke mich bei Ihnen das sie sich die Zeit nehmen und dieses Interview mit mir durchführen. Ihre Arbeit ist in der Welt des fantastischen Films nicht mehr wegzudenken. Sei es THE ABYSS (1989), BATMANS RÜCKKEHR (1992) oder natürlich ALIENS (1986).

 

Dennis Skotak) Vielen Dank, dass du dich für meine Arbeit interessierst. Aber ich muss vorab sagen, dass ich immer mit meinen Bruder Robert zusammengearbeitet habe. Ich spreche also auch in seinen Namen wenn wir hier dieses Interview führen. Nur für ein paar Projekte arbeiteten wir getrennt.

 

SFF.) Bevor wir zu Ihrem filmischen Schaffen kommen, könnten sie bitte den Lesern erläutern, was sie gemacht haben bevor sie ins Filmgeschäft eingestiegen sind? Warum genau wählten Sie das Gebiet der  Spezialeffekte aus um im Film Fuß zu fassen?

 

DS.) Bevor ich anfing im Film zu arbeiten, verdiente ich mein Geld in einem Fotolabor. Als ich mit 19 Jahren die Schule verließ bekam ich zunächst einen Job bei American Motors. Hier arbeitete ich bereits in einem Fotolabor und fotografierte eben die Autos. Aber das tolle daran war, dass ich hier bereits die Möglichkeit hatte mit dem Medium Film zu arbeiten. Und zwar für Filme über das Aussehen von Autofabrikaten. Ich lernte mit 35 mm Kameras umzugehen und auch wie Belichtung funktioniert, sowie das Laden der Kamera und ich wurde Kamerassistent. Nach dieser Arbeit ging ich wieder in die Dunkelkammer. Es war zwar nicht das was ich wollte, aber es wurde gut bezahlt. Zu dieser Zeit und mit der Kenntnis, dass die Arbeit  gut bezahlt wird, machten einige Freunde und Ich bereits eine kleine Anzahl von 16 mm-Kurzfilmen. Aber auch bevor ich für den Autohersteller arbeitete drehten wir schon 8 mm-Filme. Es waren Komödien, die fein ausgearbeitet waren und Ton hatten. Das war gar nicht so einfach, da zu der Zeit das Equipment sehr teuer, ziemlich unhandlich oder einfach für 8 mm-Filme unpraktisch war. Aber es machte Spaß und war lehrreich. Mein Interesse galt immer der Fotografie, bis das Filmen dominanter wurde. Während ich also tagsüber meiner Arbeit nachging, verbrachte ich meine Zeit während der Pausen mit Robert und einigen Freunden mit dem Ziel Filme zu drehen.

 

Einer der ambitioniertesten Projekte war unsere Version von H.G. Wells DIE ZEITMASCHINE. Ich beschloss alles in 8mm und in anamorphic Widescreen (!) zu drehen, mit Ton und den besten Amateurschauspielern die wir hatten. Aber was mir fehlte waren die Spezialeffekte. Das war quasi der Beginn unserer Arbeit im Bereich der Spezialeffekte.

 

Wir konnten einige einfache, aber effektive Effekte produzieren, wie Glas Paintings. Es sah aus wie von Profis gemacht. Robert malte das Artwork.  Für einige Szenen benötigten wir große Sets, aber wir konnten sie nicht bauen. Also malte Robert das fehlende Objekt einfach auf eine Posterwand. Zum Beispiel brauchten wir  ein Gebäude in das die Eloi gelockt wurden. Robert malte  das, montierte das Bild auf einen Brotkasten, wir gingen in einen nahgelegenen Park und drehten die Szenen, indem wir die Perspektive des gemalten Gebäudes veränderten. Und so konnten wir mit einfachen Effekten einen Film drehen, der fast nichts kostete.

 

Die Spezialeffekte öffneten  uns eine Tür der  Möglichkeiten. Wir begannen alles zu lesen was uns in die Finger kam bezüglich von Spezialeffekten unserer Lieblingsfilme und diese gaben uns eine Vielzahl von Ideen für unsere eigenen Projekte.

 

SFF.) Was war ihr erster Job im Film und wie bekamen sie ihn?

 

DS.) Der Film hieß THE DEMON LOVER (1976). Wir bekamen den Job da wir den Regisseur, Donald Jackson, kannten und er ein Freund und begeisterter Amateurfilmer war. Er wollte einen Film drehen während wir noch in Michigan wohnten. Er fand für seinen Low-Budget-Film genug Geldgeber. Ich war nicht besonders stolz auf diesen ehrlich gesagt schrecklichen Film. Robert war sehr involviert in allen Aspekten der Produktion. So auch in der Gestaltung einer interessanten und gut gemachten Kreatur, den Dämon. Der Film war kein großer Erfolg, aber es war eine großartige Möglichkeit das Handwerk zu erlernen. Und zwar dieses Mal in einen Film, der  in 16 mm gedreht , aber später auf 35 mm konvertiert wurde. Ein richtig „professioneller Film“…zumindestens dachten wir das.

 

Wir bauten die Sets, führten die Kamera, nahmen den Ton auf und waren verantwortlich für den Schnitt. Es war kein guter Film, aber wir lernten viel über den Prozess des Filmemachens. Donald Jackson, der nicht mehr unter uns weilt, drehte später eine Dokumentation über Wrestling namens I LIKE TO HURT PEOPLE in Detroit. Hier geht es um einen Fan und Interviews mit bereits verstorbenen Wrestlern. Später drehte er dann die Filme ROLLERBLADE (1986) und HELL COMES TO FROGTOWN (1988) in Hollywood.

 

SFF.) Sie haben so viele tolle Filme mitgestaltet und waren verantwortlich für eine Reihe von wunderbaren Effekten. Gab es eigentlich einen besonderen Film, ein Ereignis oder eine Person, die Sie inspirierte den Weg einzuschlagen den Sie gegangen sind?

 

DS.) Mein fünf Jahre jüngerer Bruder und Ich hatten einen Onkel der großer Fan von Science Fiction war. Er führte uns in diese Welt ein. Nicht nur Filme, sondern auch Bücher und vor allem die Wissenschaft die dahinter steckte interessierte ihn. So sahen wir uns ENDSTATION MOND (1950) an. Da war Robert zwei und ich sieben Jahre alt. H.G. Well´s KAMPF DER WELTEN (1953) ist bis heute einer unserer Favoriten. Wir beide lieben alle Filme von George Pal, die nur so mit Spezialeffekten vollgestopft sind. Ich muss aber dazu sagen, dass wir diese Spezialeffekte stets kritisch gesehen haben und immer sagten: „Das können wir besser.“ Es ist ja immer gut wenn man hohe Ziele hat. Aber später stellten wir fest, dass es einfacher ist kritisch zu sein, als selbst Effekte zu machen. Wenn wir uns diese alten Klassiker ansehen, stellen wir immer wieder fest, dass diese Filme uns viele Möglichkeiten boten. Nicht nur von den Spezialeffekten her, sondern vom Filmen im Allgemeinen. Diese Filme wollten Geschichten erzählen und benutzen die Spezialeffekte für die Geschichte und nicht nur um zu zeigen was man machen kann, wie das heute immer mehr der Fall ist.

 

UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART (1977) von Steven Spielberg  ist ein weiteres Beispiel wie Spezialeffekte die Geschichte unterstützen können. Außerdem mag ich die Gestaltung der außerirdischen Besucher und hoffe, wir sehen bald echte Außerirdische.

ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDNE WELT (1979) ist unser Top-Film, ob Science Fiction oder nicht. Wir sind die größten Fans. Wir unterbrachen sogar unsere Arbeit beim Modellbauen für den Film SADOR – HERRSCHER IM WELTRAUM (1980) um das erste Screening in Los Angeles anzusehen. Der Film inspirierte uns total. Zudem ist er ein sehr gut konstruierter Film vom Standpunkt der Geschichte und der Charaktere aus gesehen.  Am gleichen Tag haben wir ihn uns nochmals angesehen in der Mitternachtsshow. Als wir dann ALIENS (1986) machen durften war das pure Freude.

 

DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT  (1982) von Carpenter war der Lieblingsfilm über viele Jahre hinweg unserer Crew. Wir zitierten stets aus den Film während wir an anderen Filmen arbeiteten. Und zwar so oft, das wir schon daran dachten eine Theateraufführung daraus zu machen. Ehrlich!

 

SFF.) Warum eigentlich nicht? Wäre doch mal eine schöne Idee. Und dann spritzt das Blut aufs Publikum und los geht die Panik. Apropos SADOR – HERRSCHER IM WELTRAUM, den Sie gerade erwähnten. Das war ihre erste Kollaboration mit den späteren Regisseur James Cameron mit dem Sie dann an ALIENS (1986), THE ABYSS (1989) und TERMINATOR 2 (1991) arbeiteten. Vier verschiedene Filme, vier verschiedene Budgets. Was bevorzugen Sie denn im Hinblick auf das kreative Arbeiten: viel Budget oder wenig?

 

DS.) Als wir den Job bei ALIENS  bekamen wurde ein Traum wahr. Wahrscheinlich weil wir eine enge Verbindung zu Jim Cameron haben. Bei SADOR – HERRSCHER IM WELTRAUM teilten wir uns ein sehr kleines Budget. Sowohl Robert als auch Jim sind Künstler und Beide führten einen regelrechten Kampf aus bezüglich des Geldes. Wir dachten, Roger Corman wäre unser gemeinsamer „Feind“. Unser Ebenezer Scrooge. Es stellte sicher aber heraus, dass das Geld unser Feind war oder eher das Fehlen von Selbigem.  Davon abgesehen kam auch ein wenig Spannung auf, denn Roger wollte Qualität, aber ohne das nötige Geld zu geben. Letzen Endes ließ er uns machen. Er wusste, dass er eine gute Crew hatte und dass wir das Beste aus dem wenigen Geld machen würden. Solange alles im Zeitplan blieb und im geldlichen Rahmen (aber natürlich kann laut Roger auch gerne alles schneller und günstiger gehen!). So viel Freiheit hat man bei einem großbudgetierten Film nicht.

 

Im Fall der Filme mit Cameron muss man sagen, dass Robert und Jim eine Beziehung aufgebaut haben basierend auf gegenseitigen künstlerischen Respekt. Zusätzlich wusste Jim auch, dass wenn er etwas von uns gemacht haben wollte wir ihm dies ablieferten in best möglicher Qualität. Und wir blieben im Budget. Manchmal auch darunter.

 

Der Film von den oben genannten, der am wenigsten Budget hatte war ALIENS. Um eine komplette ALIEN- Welt zu erschaffen hatten wir extrem wenig Geld. Und wir konnten nicht alles immer vorzeichnen (übrigens ist das häufig in Science-Fiction-Filmen der Fall). Jeder Wendepunkt war eine Herausforderung. Glücklicherweise hatten wir eine großartige Freundschaft zu der Crew der Pinewood Studios aufgebaut. Das war auch nötig, denn in den Staaten wussten wir wo wir was herbekommen, aber in England halt nicht. Wer hat den besten Preis für Cellophan zum Beispiel. Die Jungs wussten das.

 

Große Filme haben ihre eigenen Probleme. Manchmal hat es den Anschein, dass jede Abteilung die an einen Film arbeitet, sich so wichtig nimmt nur um deren Existenz zu rechtfertigen. Und je größer die Abteilungen sind, desto mehr verlieren sie die direkte Kommunikation zu anderen Crews. Mal ein Beispiel. Wir arbeiteten mal an einen Film (keiner von Cameron) indem man ein großes Miniaturhaus benötigte, welches im Regen stehen sollte. Wir bekamen die Baupläne direkt von der Abteilung der Ausstattung. Wir filmten alles und es sah gut aus. Die Test-Screenings fielen enorm gut aus. Wochen später dann, das Miniaturset war bereits längst zerstört, machten wir einfach weiter. Es stellte sich heraus, dass die Verantwortlichen der Ausstattung falsche Informationen an uns weitergegeben haben anstatt uns einfach anzurufen und zu fragen was wir benötigten. Denn wir fragten häufiger nach und keiner meldete sich. Wir mussten also alles neu bauen und drehen. Das wurde teuer. Dabei kam keiner gut weg. Zwar kommt so was nicht häufig vor, aber es macht einen nervös wenn man weiß das könnte passieren.

 

Abgesehen von diesen Vorfällen waren unsere Arbeiten bei den Filmen von Jim recht ereignislos.  Robert und Ich haben aber eine Vorliebe für gering budgetierte Filme. Zum einen ist die Herausforderung größer und zum anderen fühlen sich diese Filme sehr ehrlich an, denke ich.

 

SFF.)  Ich bin Förderschullehrer und arbeite mit Kindern mit einer Beeinträchtigung seit nunmehr fast 20 Jahren. Ich kenne meine Arbeit weil ich sie liebe, enthusiastisch bin und ich mich stets fortbilde. Was denken Sie über die Ausbildungen zum SFX-Experten?  Gibt es bestimmte Anforderungen oder Talente die man haben sollte um SFX-Experte werden zu können neben dem Enthusiasmus?

 

DS.) Die beste Ausbildung in diesen Bereich ist tatsächlich wenn man es von Anfang an lernt. Aber zwei wichtige Eckpfeiler sind die Kunst und die Wissenschaft. Es erfordert eine Menge Erfindungsreichtum um diesen Beruf ausführen zu können. Und man sollte wissen wie Dinge funktionieren und die Prinzipien dahinter. Viele Male wurden Effekte noch nie vorher gemacht und manchmal muss man was ganz Neues erfinden. Man muss über den Tellerrand schauen um Probleme zu lösen. Als wenn man einen Zaubertrick erschafft vor der Kamera. Die Kunst ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Ein Effekt muss  nahtlos in eine Szene verschmelzen. Es nützt nichts einfach nur einen Effekt zu zeigen. Er sollte der Geschichte dienen.

 

Eine weitere wichtige Fähigkeit ist es Storyboards zu zeichnen. Diese Zeichnungen demonstrieren die visuelle Komposition und Aktion die in einer Szene vorkommt. Es hilft den Ansatz einer Szene zu illustrieren. Manchmal genügt auch eine einfache Skizze. Keine hohe Konzeptkunst, sondern vernünftige Kompetenz und Denkweise sind hier gefragt.

 

Tatsächlich ist die beste Methode zu erlernen wie ein Effekt funktioniert, wenn man selbst einen Film dreht. Wir haben unsere eigenen Filme als junge Menschen gedreht und es ist verblüffend wie hilfreich das für unsere späteren Karrieren war.

Heutige visuelle Effekte gibt es mittlerweile preiswert frei Haus. Sei es als „Demo“ oder als Testsoftware. Eine gute Möglichkeit zum Üben ist es, mit einer Software seine Lieblingsszene eines Films versuchen nachzustellen. Wir haben das mit DIE ZEITMASCHINE getan. Obwohl wir das ja eher praktisch getan haben (mit Paintings und Miniaturen) so funktioniert das auch digital.

 

Und ganz wichtig: üben, üben, üben und ausprobieren. Immer wieder. Auch wenn es mal frustrierend ist, eine gute Arbeitsmoral ist absolut notwendig. Ernsthaft; wir engagieren nur Leute mit einer guten Einstellung und achten weniger auf Talent.

 

SFF)  Das haben Sie was Wahres gesagt. Und es zahlt sich ja aus. Ich glaube zwar nicht, dass Filme gemacht werden um Preise zu gewinnen, sie werden schließlich dazu gemacht das Publikum zu erreichen. Dennoch ist Anerkennung ganz wichtig. Was denken Sie über Ihre Arbeit im Film? Ist die rein technisch zu betrachten oder schon Kunst? Bekommt SFX genug Aufmerksamkeit?   

 

DS.) Nun, es ist schon schön einen Preis zu gewinnen ohne Zweifel. Es bestätigt ja die gute Arbeit von einem Selbst. Es ist auch wichtig hohe Standrads zu setzen. Aber letzten Endes ist es das Publikum im Kino, die für unsere Arbeit bezahlen. Also müssen wir Ihnen das Beste geben was wir können. Und dafür stehen wir ja mit unseren Namen. Die Kunst stand schon immer an erste Stelle statt Technik. Der Wert eines Bildes ist genauso wichtig wie die Technik es zu zeichnen. Das war auch immer unsere Philosophie. Robert und Ich sind vom Herzen her gerne Filmemacher. Filme zu drehen ist so ein kollaboratives Unterfangen mit vielen Kompromissen die man schließen muss im Sinne der Spezialeffekte. Sie sollen der Geschichte dienen und nicht der „Star“ des Films sein.

 

Viele populäre Filme heutzutage (wie die ganzen „Superhelden“-Filme) sind ein gutes Beispiel dafür, dass die Spezialeffekte der „Star“ des Films sind. Wir werden überschüttet mit jedem Trick, jeder Aktion oder Explosion, die spektakulärer sein will als irgendetwas davor.  Das wird von dem Publikum anerkannt. Aber am Ende eines Filmes wissen die meisten Zuschauer nicht (oder es ist Ihnen egal), wie viel hundert Künstler und Techniker dazu nötig waren, diese Extravaganz zu zeigen.

 

SFF.) Wo Sie gerade von aktuellen Filmen sprechen. CGI können in heutiger Zeit ein Fluch und ein Segen zugleich sein. Wie denken Sie darüber, auch im Vergleich zu den Effekten der vergangenen Tage?   

 

DS.) Wie ich bereits sagte, haben visuelle Effekte in heutigen “Blockbustern” einen enorm hohen prozentualen Anteil. Die Mehrheit davon ist CGI. Und generell kann man sagen, dass das Publikum diese Effekte eher unterteilt in „diese CGI-Effekte sind eindrucksvoll“ und „das ist ziemlich schlecht gemacht“. Die Erwartungen des Publikums werden immer größer, weil sie immer mehr gefüttert werden. Die Möglichkeit die CGI bietet ist es ja, dass nun alles möglich ist zu zeigen was man sich vorstellen kann. Und das wird bis zum Exzess geführt.

 

Vor nicht allzu langer Zeit, bevor der Computer allgegenwärtig war, waren die praktischen Effekte atemberaubend. Wenn jemand zum Beispiel im Film JAMES BOND 007 – DER SPION DER MICHT LIEBTE von einem Kliff springt und den Fallschirm öffnet war das fantastisch. Und jetzt hängt angeblich Tom Cruise an einen Helikopter oder macht Freeclimbing. Das ist aber nichts Aufregendes wenn man bedenkt das sind CG-Stuntmänner. Es geht alles in die Richtung. Ich glaube es benötigt eine gewisse Balance, denn Action alleine bringt nichts.

Man kann durchaus Geschichten mit Herz und Seele und traditionelle und Computereffekte verbinden. Ein sehr gutes Beispiel ist  TITANIC (1997). Obwohl Cameron viel CGI einsetzte wenn es gebraucht wurde, da man viele Dinge mit den traditionellen Effekten nicht hinbekam, waren viele Effekte dennoch physisch. Das Wort benutzte ich lieber als „Old Scholl“. Das klingt eher abwertend. Wenn man beispielsweise eine Szene dreht, indem ein Stuntman von einem Auto getroffen wird, oder ein richtiges Gebäude in die Luft fliegt, ist das schon „old School“? Ich denke nicht. Grundsätzlich gilt: benutze das beste Werkzeug für den Job. Man zerschlägt ja auch kein Stück Holz mit einem Hammer.

 

SFF.) Wenn man mal zurückblickt auf ihre bisherige Karriere, stellt man fest, dass sie viel Genrefilme gemacht haben. Ich liebe ja Science-Fiction-Filme (oder Fantasyfilme im generellen), weil ich glaube, dass man mit dieser Art Filme viele aktuelle politische und soziale Entwicklungen aufzeigen kann. Als Beispiel sei hier JAHR 2022…DIE ÜBERLEBEN WOLLEN (1973) oder LAUTLOS IM WELTRAUM (1972) genannt. Glauben Sie, dass solche Filme etwas dem Publikum vermitteln kann, was andere Genres nicht können?  

 

DS.) Welcher Film mir jetzt auf Anhieb einfällt indem wir involviert waren und der so etwas transportierte ist TERMINATOR 2. Wir haben hier anschaulich illustriert was passieren kann, wenn nukleare Waffen Los Angeles zerstören. Obwohl hier das fiktionale Skynet der Antreiber war, zeigte es doch den generellen Zweck des Zeigens dieses Horrors in einem länderübergreifenden Konflikt. Ein weiterer zentraler Baustein der Geschichte ist die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. So weit weg von dieser Entwicklung sind wir nicht. Es ist durchaus möglich, dass die Menschheit die Kontrolle über ihre selbst geschaffene Kontrolle verliert. Die Entscheidung diesen Weg zu gehen scheint vorherbestimmt. Es gibt keinen Beweis, dass dem nicht so ist. Und wir haben dann keine Kontrolle mehr darüber.

 

Ein weiteres Beispiel ist DIE KLAPPERSCHLANGE (1981). Der Film steht für das Verbrechen in einer großen Stadt. New York war zu dieser Zeit ein sehr grobes Pflaster. Wenn man ein paar alberne Aspekte weglassen würde, dann kann man schon ein wenig Einfluss solcher Tatsachen erkennen. Im Nachhinein ist es doch ein bisschen beunruhigend wenn man bedenkt wir zeigten den Absturz der Präsidentenmaschine in ein Gebäude. Eine Vorhersehung von 9/11? Es war nicht das World Trade Center, obwohl Snake Plisken darauf landete.

 

Vor einiger Zeit stellte Robert eine Präsentation russischer Science Fiction Filme zusammen namens RED STAR RISING. Der Zweck war die große Anzahl von Filmen aus der Sowjet Ära zu zeigen, die die westliche Welt nicht kennt. Es half alte Filmnegative für die Nachwelt zu erhalten. Auch hilft das der Geschichte und man konnte einen großartigen Einblick hinter den Kulissen erlangen. Wie die Spezialeffekte erschaffen wurden und diese bis heute gut aussehen. Aber der wahre Grund warum diese Zusammenstellung so interessant ist, ist, dass diese Filme versteckte politische Kommentare zeigen während der kommunistischen Diktatur. Versteckte Nachrichten der Härte und Repression von fiktionalen Charakteren auf anderen Planeten. 

 

Das führt mich zu STAR TREK. Obwohl wir nie an dessen Filmen und Serien gearbeitet haben bin ich dennoch damit verbunden. Meine Frau ist die Drehbuchautorin von STAR TREK; Dorothy Fontana. Wie die Tumulte der 1960er Jahre in Amerika in der Serie verarbeitet wurden ist großartig. In einer Zeit voller Rassenkonflikte küsst ein weißer Mann eine schwarze Frau im Fernsehen! Und auch Dr. McCoy sagte: „Es gibt gewisse Absolutheiten, Mr. Spock, und einer von ihnen ist das Recht der Humanoiden auf eine freie und entfremdete Umgebung, das Recht, Bedingungen zu haben, die Wachstum erlauben“….wo wir wieder bei den Russen sind.

 

Ich weiß nicht ob so etwas überhaupt einen Effekt auf Menschen hat. Ist die Welt besser geworden, weil wir dies gesehen haben? Vielleicht, es ist ein stetiger Prozess.

 

SFF.) Wie wahr. Sagen Sie, gibt es etwas was wir in näherer Zukunft wieder von Ihnen sehen können oder gibt es etwas was Sie schon immer Machen wollten?

 

DS.) Nun, wir sind gerade dabei für James Cameron etwas zu restaurieren für ein Privatmuseum. Viele Miniaturen aus seinen Filmen lagern irgendwo in Hollywood. Zum Beispiel das wundervolle 13-meterlange Modell der Titanic das für den Film benutzt wurde genauso wie die versunkene Version, den Maschinenraum, sowie einige kleinere Sets und das Auto im Laderaum. Also das Auto wo Rose und Jack sich lieben. Auch werden Modelle aus THE ABYSS, der Harrier Jet aus TRUE LIES, die Alien Queen und der Power Loader von ALIENS restauriert. Was für eine Sammlung. Die Jahre, die diese Modelle in den Lageräumen verschwunden sind haben Ihnen nicht gut getan. Wir müssen viel ersetzen.

 

Robert und ich planen gerade selbst einen Film. Robert schreibt das Drehbuch. Es ist so etwas wie  Erweiterung und Fortführung eines Films, den wir schon drehten als wir jung waren und den wir „Weltraum Film“ nannten. Aber wir konnten ihn nicht zu Ende führen als wir jung waren. Da wir mit allen Formen der Science Fiction aufgewachsen sind, war das nur ein natürliches Verlangen etwas in diese Richtung wieder zu machen. Aber damals hatten wir nicht das Geld um etwas Tolles zu drehen. Wir hatten alle Formen der Unterstützung von unseren Eltern, aber wir waren nicht wohlhabend. Heute können wir das realisieren. Robert und ein paar Freunde gestalten und bauen grade die Sets aus preisgünstigen Material. Einiges sind Ideen, die wir für frühere Filme mal verworfen haben. Da sind einige Schätze dabei. Wir arbeiten dran. Ohne Deadline, aber  mit einen persönlichen zeitlichen Limit. Wartet´s nur ab!

 

Ein weiteres Projekt ist ein Magazin, welches wir rausbringen wollen. Es ist eine Art retrospektivisches Magazin. Wir zeigen dort Filme mit denen wir aufgewachsen sind, die aber keine große Beachtung gefunden haben als sie erschienen. Fast im Sinne des alten Fanzines FANTASCENE aus den 70ern welches wir herausgebracht haben. Aber das neue Magazin geht tiefer in Filme wie INVASION VOM MARS (1953), WELTRAUMSCHIFF MR-1 GIBT KEINE ANTWORT (1959) oder natürlich KAMPF DER WELTEN (1953).  Es gibt so viele tolle Filme aus den 1950er und 60er Jahren die eher als unwichtig und blöd behandelt worden sind von der breiten Öffentlichkeit. Aber nicht bei uns!

 

SFF.) Da freue ich mich schon drauf. Sie haben also eine Menge zu tun. Aber lassen Sie mich noch eine letzte Frage stellen. Was war der schwierigste Effekt an dem Sie jemals gearbeitet haben?

 

DS.) Hmmmm. Wie bereits erwähnt war ALIENS  ziemlich schwierig zu drehen. Aber nicht weil die Effekte schwer zu machen waren (außer einem), sondern weil das gesamte Projekt voller Probleme steckte vor allem finanzieller Art.

 

Aber wenn ich nun einen wirklich schwierigen Effekt raussuchen müsste, dann wäre das die komplette Sequenz in TERMINATOR 2, die wir „Sarah Connor´s Nightmare“ nannten. Die Szene zeigt einen Traum von Sarah, bei dem Los Angeles von nuklearen Waffen getroffen und alles vernichtet wird. Eine sehr kraftvolle Szene. Robert war dafür hauptverantwortlich. Sie basierte vornehmlich auf Material echter Atomtest in den USA in den 1950er Jahren.  Unser Versuch, die katastrophale Destruktion auf realistische Art und Weise darzustellen, mit so gut wie keinen CGI, war eine Herausforderung. Zu dieser Zeit gab es keine Computersimulation, die das was wir zeigen wollten möglich machte. Es wurde extra für diesen Film eine Software entwickelt von einigen Freunden von uns: Electric Image. Es gab in der Tat nur eine einzige Sache in dieser Szene die aus CGI besteht. Es waren „Schattenelemente“ der Gebäude die in den Großaufnahmen der Stadt zu sehen sind. Diese wurden kombiniert mit handgemachten Effekten wie Matte Paintings, Projektionen, doppelte  Belichtungen und explodierende Miniaturen. Es ist fast unmöglich das alles hier zu beschreiben. Robert hat das mal gemacht. Ihr könnt ja mal googlen um Details zu erfahren.

 

Die Zerstörung der Miniaturgebäude, der Autos, Busse, Palmen und andere Teile der Stadt war langwierig. Aus irgendeinem Grund brauchten wir immer acht Takes für eine Szene der Sequenz. Irgendwas funktionierte immer nicht. Und es waren immer acht Takes bis alles im Kasten war. Der Wiederaufbau der Gebäude und Fahrzeuge und das immer und immer wieder war quälend. Und das alles ohne digitale Nachbearbeitung um die Probleme zu lösen. Alles wurde exakt so vor der Kamera gemacht. Und Robert bekam einen Oscar für die besten Spezialeffekte dafür.

 

Ach und nochmal zu ALIENS. Die Szene die am schwersten war (aus Sicht der Spezialeffekte), war die Szene mit der Alienqueen und Ripley in der „Eierkammer“. Ripley zerstört alle Eier und die Queen erhebt sich. Es ist nur eine kleine Aufnahme wo zu sehen ist wie die Queen sich von ihrem Sack löst. Aber das war die schwerste Szene. Hört sich unglaublich an? Es war ein Mini-Alptraum. Aber immerhin gab es auch dafür einen Oscar.

 

SFF.) Sehr geehrter Herr Skotak. Ich bedanke mich aus tiefsten Herzen für diese wunderbaren und ausführlichen Antworten. Es war mir eine große Ehre. Haben Sie vielen Dank.

 

 

DS.) Ich habe zu danken, dass du dich für unsere Arbeit  interessiert hast. Allein das war aller Mühen wert.