Science Fiction Filme) Zunächst einmal bedanke ich mich bei Ihnen für dieses Interview. Ich weiß, sie sind ein vielbeschäftigter Mann und ich will Sie wirklich nicht stören. Gerade als kleinen Geek, der auf die guten, alten Effekte steht. Also nochmal herzlichen Dank.

 

Vor ein paar Monaten gab mit ihr Bruder Rob bereits netterweise ein Interview. Jetzt sind Sie dran und ich freue mich auf diese Gelegenheit. Rob hat mir bereits eine Menge über ihren legendären familiären Hintergrund erzählt. Ihre Familie kann man durchaus als Legende bezeichnen in der Filmhistorie. Besonders in dem Bereich des Make-Up-Designs. Sie sind mit Tonnen von inspirierenden Masken oder Make-Up-Kreationen ausgewachsen.  Wollten Sie denn immer in die Fußstapfen ihres Vaters und Großvaters steigen oder wollten Sie etwas anderes machen?

 

Barney Burman) Lustig, dass Du genau diese Frage am Anfang stellst. Gerade arbeite ich an einer Fernsehserie und wir drehen gerade rund um Los Angeles. Gestern filmten wir an einem Ort namens Calamigos Picnic Ranch. Ich spazierte gedanklich auf eine Art „Vergangenheitsweg“ denn genau habe ich im Sommer nach der High School gearbeitet. Ich habe in einer Videothek gejobbt und verkaufte in einem Sandwich Shop allerhand Zeug. Eben solche Jobs die man eben als Jugendlicher macht. Ich brauchte das Geld und ich hatte kein Interesse daran irgendetwas mit Make-Up zu machen. Ich wollte Schauspieler werden.

 

SFF) Was war denn ihr erster Job im Filmgewerbe? Schauspieler oder Make-Up-Künstler?

 

BB) Mein allererster Job, wenn man das so bezeichnen kann, bekam ich als ich 11 Jahre alt war. Mein Vater (Thomas Burman, Anmerkung von SFF) machte von meinen Kopf und meinen Händen abdrücke um die kleinen Aliens aus UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART (1977) zu gestalten. Dafür bekam ich dann 75 US-Dollar.

 

SFF) Und wie ging es weiter? Ihr Bruder erzählte mir, er hat im Geschäft ihres Vaters, The Burman Studios, gearbeitet. Sie auch?

 

BB) Ja klar. Auch während der High School und nach meinen Abschluss. Ich wollte eigentlich nur ordentliches Geld verdienen…bis er mich feuerte. Ich wurde sogar innerhalb von 24 Stunden aus zwei Jobs rausgeschmissen: aus dem Geschäft meines Vaters und aus dem Sandwich Shop.  Ich glaube ich war kein besonders guter Angestellter. Ich wurde zwar nie darauf diagnostiziert, aber ich glaube ich habe ADHS. Zumindestens bin ich leicht ablenkbar.

 

SFF) Korrigieren Sie mich wenn ich falsch liegen sollte, aber ich würde mich unheimlich stolz fühlen, wenn ich als Kind morgens in einem Haus (oder wo auch immer ich leben würde) aufwachen würde, mit solch einer talentierten Familie wie die Ihre.  War ihr Vater auch ihr Idol oder haben Sie noch andere?

 

BB)  Ich war auch stolz. Ich war sein größter Fan. Ich habe alles geliebt was er gemacht hat. Aber ich wollte nicht das Gleiche  tun bevor ich es letzten Endes getan habe. Zum Thema Idole: Es gibt mit Sicherheit welche die ich respektiere und welche die mir wertvolle Lektionen erteilt haben. Aber diese sagten auch zu mir: „Triff nicht deine Idole.“ Du kannst sie zwar treffen, aber kennenlernen wirst du sie nicht. Du wirst nur herausfinden, dass Sie nur Menschen sind wie man selbst.

 

SFF) Ich könnte mir vorstellen, dass ihre Vater und Großvater ihre größten Kritiker waren bezüglich ihrer Arbeit, oder?

 

BB) Kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten. Für mich waren sie eher motivierend. Sie sagten stets: „Wie kannst du es besser machen?“

 

SFF) Im Jahre 2004 gründeten Sie ihre eigene Firma namens B2FX. Warum eigentlich? Wollten Sie ein wenig freiheitlicher sein?

 

BB) Genau! Wie ich bereits sagte wollte ich zunächst nicht in die Fußstapfen meines Vaters und meines Bruders treten. Aber ich mochte Make-Up immer mehr und mehr. Eines Tages arbeitete ich für eine Fernsehsendung (ich werde nicht verraten für welche) und ich habe dort Prothesen angewendet, die ein anderer Shop fertiggestellt hat. Und diese waren schrecklich. Und da dachte ich bei mir: „Wenn dieser Idiot ein eigenes Geschäft haben kann und Müll wie das hier produziert und ihn dennoch Produzenten engagieren, dann kann ich das auch. Nur besser.“ Sich zu beweisen war schon immer ein Thema meines Lebens.

 

SFF) Sie erwähnten bereits, dass Sie früher lieber Schauspieler werden wollten. Warum haben Sie denn Ihre Richtung geändert?

 

BB) Ich habe nie meine Meinung geändert, glaube ich. Ich will immer noch Schauspieler werden, aber ich genieße es nicht einer zu sein. Ab und an spiele ich ja mit. Sei es in Filmen meiner Freunde oder meinen eigenen. Aber ich habe mich definitiv im Gestalten von Make-Up verliebt. Das ist auch sowohl kreativer, als auch finanziell lohnender.

 

SFF)   Nach Ihrer Arbeit am Film POWDER (1995) bekamen Sie eine Gewerkschaftsakkreditierung für diesen fabelhaften Job. Aber was denken Sie denn über die Kontroverse bezüglich dieses Films und Victor Salva?

 

BB)  Ich muss ehrlich gestehen, ich war ziemlich überrascht als das alles rauskam. Während des Drehs hatte ich eine großartige Zeit und hatte Respekt für die Arbeit von Salva als Regisseur.

 

SFF) Finden Sie eigentlich, dass die Arbeit eines Make-Up Künstlers genug gewürdigt wird? Schließlich ist das doch Kunst, oder?

 

BB) Es gibt viele technische und künstlerische Aspekte in dem was wir tun. Und wir bekommen auch viel Anerkennung, aber manchmal auch nicht. Ein Freund von mir namens Steve Wang (Anmerkung von SFF: Auch Wang hatte ich bereits im Interview) sagte einmal: „ In den 80ern waren wir Rockstars. Jetzt sind wir Verkäufer.“ Und da steckt viel Wahrheit drin. Die Arbeit, die wir machen ist alltäglich geworden. So rufen Produzenten, die es nicht besser wissen, an und wollen Masken von der Stange. Ich mag es nicht, so zu arbeiten.

 

SFF)  Ich hatte bereits Ihren Bruder mal gefragt, was er von CGI hält im Vergleich zu “alten” Effekten. Wie sieht es denn bei Ihnen aus?

 

BB) Wie mein Bruder bereits sagte: „Es ist nur ein weiteres Werkzeug.“ Bei richtiger Anwendung ist CGI effektiv und kraftvoll. Mein Problem dabei ist, dass wir alles auf Film als real ansehen können, was es nicht ist. Oder, in Anlehnung an  Syndrome in DIE UNGLAUBLICHEN: „Wenn alles speziell ist…..wird es niemand mehr sein.“

 

SFF) Um meinen Job ausführen zu können (ich bin Förderschullehrer) benötigt man u.a. Leidenschaft, Enthusiasmus und Talent. Was benötigt man denn um Make-Up-Künstler zu werden? 

 

BB) Erst mal meine vollste Hochachtung für Dich. Vielen Dank, dass Du solch eine Arbeit machst. Meine Nichte ist ebenfalls beeinträchtigt und ich bin so dankbar, dass es Menschen wie dich gibt, die ihre Zeit und Energie denjenigen widmen, die sonst vergessen werden.

Um deine Frage zu beantworten: Enthusiasmus, Antrieb, Leidenschaft, diese Dinge bringen dich sehr weit. Und wenn du das liebst, was du verfolgst, dass wirst du schon deinen Platz finden.

 

SFF)  Für den Film STAR TREK (2009) bekamen Sie zusammen mit Joel Harlow und Mindy Hall den Oscar für das beste Make-Up. Ich glaube ja, dass es ein irrsinniger Zeitplan war solch eine Produktion zu bedienen, stimmt das?

 

BB) Dummerweise war er verdammt eng! Ich würde so etwas nie wieder tun. Es gab kaum Zeit und es war mit die härteste Erfahrung die ich bisher hatte. Ich schlief nur 4 Stunden pro Nacht für sechs Monate und hatte keinen Tag frei. Aber ich wurde angetrieben, das Beste rauszuholen.

 

SFF) Können Sie mir etwas darüber erzählen, wie Sie “Monster” erschaffen? Angefangen von der ersten Skizze über das modellieren bis hin zur Oberflächenbehandlung?

 

BB) Die Antwort wäre zu lang und zu kompliziert, glaube mir. Damit könnte man eine ganze Stunde füllen und mehr.

 

SFF)  Sie haben ja viele Genrefilme gemacht wie z.B. BODY SNATCHERS (1995). Glauben Sie eigentlich, dass Filme aus dem Bereich der Fantastik etwas Transzendentes vermitteln können?

 

BB) Ja sicher…nein nicht wirklich…oder doch? Ich weiß es nicht. Ich würde daran gerne glauben, aber ich glaube es ist einfacher wenn das Publikum es als Science Fiction und nicht als Realität sieht. Vielleicht trifft es ab und an einem Fünkchen Wahrheit.

 

SFF)  Was gibt es den bald neues von Ihnen zu sehen?

 

BB) Ich habe viele Projekte am Laufen. Einiges davon ist Make-Up aber ich will eher Regie führen. Ich habe gerade meinen ersten Film veröffentliocht: BARNEY BURMAN´S WILDSCHWEIN (Barney Burman´s Wild Roar). Den Trailer gibt es auf You Tube. Ich habe meinen Namen über den Titel gesetzt, damit ich sofort meinen Namen irgendwo unterkriege. Auch habe ich noch einige Drehbücher hier, die bearbeitet werden wollen.

 

SFF) Und nun die letzte Frage: Was war denn ihr bislang schwierigster Effekt, den Sie machen mussten?

 

BB) Kommt darauf an: Technisch, künstlerisch oder emotional betrachtet? Wenn ich so recht überlege, dann ist es der „Lava“-Man aus der TV-Serie GRIMM. Wir hatten nur 12 Tage Zeit um die komplette Kreatur zu erschaffen und dann sie auch noch von innen heraus zum Glühen zu bringen. Ich war auf meine Crew sehr stolz, dass sie es schafften.

 

SFF) Lieber Mister Burman. Das war es auch schon. Vielen herzlichen Dank für die Zeit und die tollen Informationen. Grüßen Sie ihren Bruder und Ihren Vater und sagen Sie ihm, dass ich seine Arbeit in BUCKAROO BANZAI, HOWARD – THE DUCK und STIRB LANGSAM 2 toll finde. Oh und übrigens, meine Frau wird durchdrehen, wenn ich ihr erzähle, mit wem ich gesprochen habe, denn sie ist großer GRIMM-Fan.

 

BB) Ich habe zu danken. Es hat Spaß gemacht. Umarme deine Frau von mir. Bis bald.