Science Fiction Filme) Lieber Mister Goodwin. Wer kann schon von sich behaupten, sich unsterblich zu Machen, indem man eines der ikonischsten Requisiten der Filmgeschichte schuf: das abgeschnittene Ohr in BLUE VELVET (1986). Aber auch sah man ihre Kunst in TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES (1990) oder DER LETZTE MOHIKANER (1992). Können sie uns kurz ein wenig über ihr Leben erzählen?

 

Jeff Goodwin)  Ich bin 59 Jahre alt, 1961 geboren und als Kind habe ich Filme geliebt! Besonders die alten Schwarz-Weiß-Horrorfilme! Aber als ich 1968 den Originalfilm PLANET DER AFFEN  im Kino auf der großen Leinwand sah, war es um mich geschehen! Ich war von diesem Moment an süchtig! Ich wollte Make-up-Effekte für Filme machen.

 

Das waren die Tage  vor dem Computer und dem Internet. Also verließ ich mich auf Bücher und schaute mir jeden Film an, den ich finden konnte um zu lernen. Frühe Makeup-Pioniere wie Lon Chaney und Jack Pierce, William Tuttle, John Chambers und Dick Smith waren und sind immer noch einige meiner Lieblinge! Und ich habe immer versucht, ihre großartige Arbeit nachzuahmen. Das erste Buch, das ich als Kind in der Bibliothek fand und aus dem ich lernte, war die 4. Auflage von Richard Corson's “Stage Makeup”. Einige meiner Arbeiten illustrieren nun dieses Buch! Es hat sich ein Kreis geschlossen!

 

SFF)   Sie haben Ihre Karriere in der glorreichen Dekade der 80er und 90er Jahre begonnen. Was denken Sie über diese Zeit? Warum lieben die Leute diese Periode der Filme?

 

J.G.) Ich wurde zum ersten Mal dafür bezahlt Makeup-Effekte für einen Film namens THE MEMBRANE  (1980) zu Machen. Ich war 19 Jahre alt zu der Zeit an der Theateruniversität. Meine Lieblingszeit für Filme waren die späten 60er bis Mitte bis Ende der 70er Jahre. Für mich war das die Zeit in der die besten bahnbrechenden Filme gemacht wurden. Und die meisten von ihnen haben auch heute noch Bestand! Ich denke es ist schwieriger für mich so freundlich zu den Filmen der 80er Jahre und darüber hinaus zu sein, weil ich an der Entstehung vieler dieser Filme beteiligt war. Einige sehr gute, ein paar moderne Klassiker und auch eine Handvoll “Stinker” in meiner Karriere! Es war ein guter Ritt und ich bin immer noch dabei, 41 Jahre später! Ich hatte das große Glück, mit so vielen wundervollen und talentierten Menschen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten zu können. Ich bin mit einem halben Dutzend verschiedener Filmpreise geehrt worden. Aber mir persönlich macht es am meisten Spaß, Filmgeschichte zu lehren und die Liebe zum Film zu wecken!

 

SFF.)  Was benötigt man, Ihrer Meinung nach, um in den Bereich des Make-Ups einzusteigen?

 

J.G.) Make-up für Film und Fernsehen zu lernen ist etwas ganz anderes als nur zu lernen, wie man Make-up aufträgt. Ich habe früher viel unterrichtet und habe die Karrieren von vielen Künstlern, die jetzt in diesem Bereich arbeiten, gestartet. Ausbildung ist sehr wichtig und muss unterstützt werden! Eines der wichtigsten Dinge über Make-up, die kein anderer Lehrer außer mir jemals einem Schüler sagen würde, ist: "Es gibt wirklich kein richtig oder falsch beim Make-up. Es sind alles persönliche Meinungen und Geschmäcker. Und was für die Kamera funktioniert, um den gewünschten Look zu erreichen!" Kein anderer Visagist würde es wagen, das zu lehren, aber ich tue es! Jedes Gesicht ist anders, jeder Charakter ist anders, also sollte auch jedes Make-up anders sein. Die Arbeit mit dem Filmregisseur und dann mit den Schauspielern, um ihren Charakter zu kreieren, ist der spaßigste Teil meines Jobs.

 

SFF) Ihr Portfolio ist eine wunderbare Zusammenstellung von fantastischen Arbeiten. Haben Sie  ein paar Lieblingsarbeiten von Ihnen und gibt es ein Projekt, das leider nie zustande kam, obwohl Sie schon viel dafür entworfen hattest?

 

J.G.) Meine Top 3 Lieblingsfilme, die ich gemacht habe, sind wahrscheinlich in dieser Reihenfolge David Lynchs BBLUE VELVET (1986), den wir 1985 gedreht haben. Michael Manns DER LETZTE MOHIKANER (1992), den haben wir 1991 gedreht. Und Ang Lees WER MIT DEM TEUFEL REITET (1999), gedreht 1998-1999.

 

Das sind meine persönlichen Favoriten, von denen ich denke, dass sie sehr gute Filme sind.

 

SFF.) Was denken Sie über CGI  im Vergleich zu den "old school"-Filmen von damals? Macht es den Fortschritt einfacher?

 

J.G.) Nicht so sehr die Projekte, die nicht gemacht wurden, sondern die neueren Projekte mit CGI, sin des die ich nicht mag. Es sei denn, sie werden als Werkzeug benutzt, um einen Effekt oder Stunt zu verbessern, anstatt ihn komplett digital zu erzeugen. Ich persönlich mag den Look von CGI nicht und bevorzuge physische Effekte. Es kommt darauf an, wen Sie fragen, ob CGI das Filmemachen einfacher macht, für mich ist das nicht der Fall. In der Tat vermisse ich die Tage des echten Films sehr!

 

SFF.)Glauben Sie, dass das Science Fiction Genre  etwas zu den Menschen transportieren kann wie beispielsweise JAHR 2022…DIE ÜBERLEBEN WOLLEN (1972)?

 

J.G.) Ich stimme Ihnen völlig zu, was Sci-Fi angeht, ich liebe es auch! In der Tat ist SOYLENT GREEN (so der Originaltitel; Anmerkung von SFF) immer noch einer meiner Lieblingsfilme. Ich schaue ihn mindestens einmal im Jahr! Toller Film!

 

Ich denke, der beste, was das Gruseln angeht, ist eigentlich DIE GESCHICHTE DER DIENERIN (1990), Regie: der großartige Volker Schlondorff.

 

SFF) Nehmen Sie  einige (persönliche) Ängste mit in Ihr Make-up? Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für dies Designs?

 

J.G.) Ich habe keine wirklichen Ängste. Mein Hauptanliegen ist es, die Dinge immer echt aussehen zu lassen! So seltsam das auch klingen mag, in 9 von 10 Fällen, wenn es um blutige Szenen in Filmen geht, sieht das Echte unecht aus! Man muss also seine Hausaufgaben machen und recherchieren und wissen, wie das Echte aussieht. Aber auch wissen, wie man es verändert oder verbiegt damit es für die Kamera funktioniert und dem Publikum real erscheint. Das ist nicht einfach, aber eine meiner Lieblingsbeschäftigungen!

 

SFF) Sie arbeiten für beides: Kino und Fernsehen. Könnten Sie uns bitte einen Überblick darüber geben, inwieweit sich die Arbeitsmethoden in diesen Medien unterscheiden?

 

J.G.) Ich habe das, was ich tue, nie anders behandelt als für die große Leinwand oder das Fernsehen. Für mich ist mein Job im Grunde derselbe. Das gilt besonders für das Kabelfernsehen und jetzt auch für Streaming-Inhalte, die die gleiche Qualität wie Spielfilme haben.

SFF.)  Sie haben auch an Filmen wie RAMBO III (1989) oder MANHUNT (1986)  gearbeitet. Dort sieht man, statt im fantastischen Bereich, eher sehr "menschliches" Make-up wie Narben oder Verletzungen.  Inwieweit liegt die Schwierigkeit bei solchem Make-up?

 

J.G.) Ich glaube, das habe ich schon beantwortet als ich sagte, dass ich es gerne real aussehen lasse. Aber manchmal, eigentlich ziemlich oft, dränge ich darauf Dinge besser oder grafischer oder grausamer zu machen wenn es nötig ist! Ich habe Szenen geschrieben, die nicht im Originaldrehbuch standen und sie vielen Regisseuren vorgelegt. Den meisten haben meine Ideen gefallen und diese Szenen sind jetzt in den Filmen, die wir gemacht haben! Eine solche Szene, die ich mir ausgedacht und geschrieben habe und für die ich natürlich auch die Effekte gemacht habe, ist die Holzsplitter-Szene in RAMBO III (1988). Die Szene, in der er eine Operation an seiner eigenen Seite durchführt und dann die Wunde mit Schießpulver anzündet, um die Blutung zu stillen! Alles von mir! Lustiges Zeug!

 

SFF.) Ich habe mit einer der wichtigsten Fragen bis zum Schluss durchgehalten: Was war der schwierigste Effekt, an dem Sie gearbeitet haben und warum?

 

J.G.) Ich suche mir nie etwas Leichtes aus. In der Tat mache ich mir die Dinge manchmal selbst schwerer, indem ich Effekte hinzufüge. Ich mache viele Sachen, die sehr schwer zu machen waren, wie z.B. RAMBO, DER LETZTE MOHIKANER, SUPER MARIO BROS: (1992), WER MIT DEM TEUFEL REITET und KRIEG UND FRIEDEN.

 

Ich habe im Laufe der Jahre gescherzt, dass ich diese Filme bekommen habe, weil ich der einzige Maskenbildner war, der dumm genug war, "ja" zu sagen!

Ich mochte die Herausforderung und tue es immer noch!

 

SFF. )Lieber Mr. Goodwin. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben, und wünsche Ihnen alles Gute für Ihr weiteres Filmschaffen.

 

J.G.)  Bleiben Sie in Kontakt und bleiben Sie gesund!