Science-Fiction-Filme) Lieber Mr. Belohovek. Ich danke Ihnen, dass Sie bei diesem Interview mit dabei sind. Sie haben an einigen der schönsten und besten Filme der 80er und 90er Jahre mitgewirkt, wie ALIENS (1986), TANZ DER TEUFEL 2 (1987) und natürlich ROBOTJOX – DIE SCHLACHT DER STAHLGIGANTEN (1989). Viele Filmbegeisterte kennen die Filme, an denen du beteiligt bist.  Könne Sie uns ein wenig über Ihr Leben erzählen bevor wir tiefer in die Materie eintauchen?

 

James Belohovek) Ich wurde 1957 geboren und wuchs in Rialto, Kalifornien, auf. Ich habe mich schon immer dafür interessiert, Dinge mit meinen Händen zu machen bevor ich krabbeln konnte. Als ich in den frühen 1960er Jahren etwa 5 Jahre alt war, ließ meine ältere Schwester immer das Magazin FAMLUS MONSTER OF MOVIELAND herumliegen damit ich darin blättern konnte. Ab 1966 sah ich im Fernsehen Serien und Filme, die mein Interesse weckten: SINBADS SIEBENTE REISE (1958), KING KONG (1933) oder die Fernsehserien TIME TUNNEL und PLANET DER GIGANTEN. Ich wollte Modellbausätze, aber meine Familie war viel zu knauserig um sie mir zu kaufen. Also begann ich Dinge aus Müslischachtelkarton zu basteln. In den frühen 1970er Jahren hatte ich eine ganze Sammlung von Raumschiffen und Fahrzeugen aus Pappe. Ich versuchte sogar, meine Enterprise mit der 8-mm-Kamera meines Vaters zu filmen. In meiner späten Highschool-Zeit versuchte ich einfache Super-8-mm-Filme zu drehen und die Miniatur darin zu bauen. Als ich die Highschool abschloss, ging ich aufs Junior College und belegte einen 16-mm-Filmkurs.

 

 Meine Mutter drängte darauf, dass ich ein College besuchen sollte und fand das California Institute of the Arts. Ich begann 1979/1980, die Schule zu besuchen und belegte Kurse für Filmgrafik. Ich lernte auch einige Jungs kennen, die die Disney-Filmschule besuchten und wir wurden gute Freunde. Während ich in meinem Wohnheim Requisiten für meinen Film herstellte, kam Joe Ranft zu meinem Mitbewohner zu Besuch. Er warf einen Blick auf das, was ich tat und schlug mir vor Modellbauer zu werden. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Ein anderer Disney-Schulfreund, Tony DeRosa, arrangierte für mich einen Termin bei einem Mitarbeiter der Disney-Studios (bei John Van Vliet) der sich meine Mappe ansah. Ich zeigte ihm meine Bilder von meinen Papp- und Holzminiaturen und er ermutigte mich Modellbauer zu werden. Als ich von meinem Job nach Hause kam stand dort eine Telefonnummer unter der ich ein Mädchen anrufen konnte, das Hilfe bei einem Modell brauchte. Ich rief sie an. Es war Susan Turner, die zu VCE Inc. gehörte. Sie sah sich meine Mappe an und stellte mich auf der Stelle für die Arbeit an einer fliegenden Untertasse in dem Film DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) von John Carpenter ein.

 

SFF) Ihr erster Job war also bei DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT. Waren Sie an der Stop-Motion-Sequenz beteiligt oder nur am Anfang?

 

J.B.) Ich wurde angeheuert um die Entlüftungsöffnungen in der Untertasse zu machen dann einige der Oberflächendetails. Susan gab mir den Auftrag, einen doppelten Ring herzustellen, der die 144 Miniaturlichter im Inneren halten sollte. Ich lötete sie an ein Flachbandkabel um sie an die speziellen Steuerungen anzuschließen, die ILM für uns hergestellt hatte. Danach ging ich zurück zur Schule, um meine Kurse zu beenden. Ein paar Monate später rief mich Susan wieder an, um an der Eishöhle am Ende des Films zu arbeiten, die in den Einrichtungen in Hartland entstehen sollte, wo die Maskenbildner arbeiteten.  Ich baute die Miniaturkulisse und einen Teil der Wand hinter den Ölfässern.

 

Susan modellierte die Wand, indem sie sie wie geschnittenes Eis aussehen ließ. Ich musste alle Fässer und Farbdosen anfertigen, Susan hat die Farbdosen detailliert ausgearbeitet und alles so hergerichtet, dass es aussah als wäre alles mit Frost bedeckt. Ich habe auch einige Schrottmöbel und Büromaterialien angefertigt, die hinter der Tür im Hintergrund stehen. Sie hat mir für all das keine Anerkennung gegeben. Also hat Randy Cook das getan und mich unter der Rubrik Animation im Abspann aufgeführt.

Das war der erste Film. Dann kam DREAMSCAPE (1983) und dann BUCKAROO BANZAI – DIE ACHTE DIMENSION (1984).

 

SFF). Sie sind ein Modellbauer und ein fabelhafter Meister der Bausätze. Ist es nicht manchmal traurig zu sehen, dass diese großartige Arbeit, an der man monatelang arbeitet, im fertigen Film nur für ein paar Sekunden zu sehen ist? Was passiert eigentlich mit all diesen Modellen, wenn die Dreharbeiten vorbei sind?

 

J.B.) Es stört mich nicht, dass ich vielleicht wochenlang an einem Modell arbeite und man es nur ein paar Sekunden auf dem Bildschirm sieht. Das ist mir passiert, als ich einen Aufzug für GREMLINS 2 (1990) gebaut habe. Er war nur sieben Frames lang auf dem Bildschirm zu sehen, dann war er oben.

 

 Nachdem das Modell gedreht wurde geht es an denjenigen, der es zurückfordert. Es kommt selten vor, dass ich ein Modell, das ich gemacht habe, behalten darf. Meistens bekommt es der Ort, an dem ich es gebaut habe.

 

Was die Bausätze angeht, so habe ich nichts aus einem Bausatz gebaut, sondern alles von Grund auf von Hand. Kein 3D-Druck oder Laserschneiden. Alles waren Herausforderungen. Ich mag Herausforderungen, je schwieriger das Projekt, desto mehr liebe ich die Arbeit. Wenn ich mit einem Modell fertig bin, wird es von der Firma für visuelle Effekte, die mich engagiert hat, gefilmt. Dann lagern sie es ein oder zerlegen es.

 

SFF.) Was hat Sie am Modellbau fasziniert?

 

J.B.) Ich weiß nicht, warum ich mich in Miniaturen verliebt habe. Vielleicht liegt es daran, wie viele Details in sie hineingesteckt werden oder wie sie auf dem Bildschirm aussehen. Die Herausforderung bestand darin, zu sehen, ob man die Leute einmal täuschen kann.

 

SFF) Was war denn bisher die größte Herausforderung?

 

J.B.)  Bei jedem Projekt gab es bestimmte Schwierigkeiten. Der Bau des Power Loader-Rohbaus aus ALIENS (1986) war nur deshalb eine Herausforderung, weil wir die meisten Baupläne erst spät bekamen und fast rund um die Uhr arbeiten mussten, um ihn fertigzustellen.

 

SFF) Was genau haben Sie an diesem Modell gebaut? Was waren die Konzepte für dieses Modell?

 

J.B.) Der Power Loader war mein Schmuckstück, denn es war das erste Mal, dass ich die Verantwortung für das Vorgehen beim Bau der Modelle hatte. Die Modelle mussten zuerst angefertigt werden, damit daraus Formen hergestellt werden konnten und dünne Glasfaserteile aus den Formen gezogen werden konnten. Tony Gardener war für all das zuständig. Die Teile waren hauchdünn, weil Doug Beswick dem Anker kein Gewicht hinzufügen wollte, das dazu führen würde, dass er nicht funktioniert. Es wurden dünne Kabel und Dacronn verwendet, um die Arme und Beine zu bewegen, während die Puppe unter dem Tisch bewegt wurde. Nachdem die Teile aus den Formen genommen worden waren, musste ich sie säubern und an der Armatur befestigen. Wir konnten den Lader in Dougs Werkstatt nie lackieren, und alle Oberflächendetails wurden in eine Kiste gelegt und nach England geschickt. Ich gab ihm eine Farbe, aber er wurde in der Werkstatt neu lackiert.

 

Der Power Loader war meine erste eigene Arbeit. Doug Beswick leitete das Projekt, aber er überließ mir die Entscheidung, wie ich ihn bauen wollte. Ich war für die Erstellung der Modelle für den Loader verantwortlich. Dann fertigte Tony Gardener Gussformen an und zog dünne Glasfaserteile heraus, die ich säuberte und auf die Armatur setzte. Wir hatten drei Monate Zeit für die Arbeit, aber die meisten Entwürfe erhielten wir erst sechs Wochen nach Beginn der Arbeit. In meiner letzten Woche habe ich 114 Stunden gearbeitet, es war Heiligabend. Sie wurde zusammen mit der Miniatur-Alienkönigin  in eine Kiste verpackt, um nach England verschifft zu werden. Ich gab mein Bestes bei der Detailarbeit, denn es sollte ein wunderbares Portfolio-Stück werden.

Das Konzept wurde von Jim Cameron selbst entworfen. Der Power Loader in voller Größe wurde in England von John Richardsons Team hergestellt.

 

SFF) War das Modell des Power Loaders voll funktionsfähig oder wurden nur Teile des Modells bewegt?

 

J.B.) Die Konzepte für den Loader stammten wie gesagt von James Cameron selbst. Als die Entwürfe genehmigt waren, wurden die Zeichnungen an Dougs Werkstatt geschickt. Die Schwierigkeit dabei war, dass es sich um die alten Fax-Zeiten handelte und das Signal manchmal gestört war und nicht gedruckt oder übersprungen werden konnte. Also mussten die Zeichnungen interpretiert und gemessen werden.

 

Alles bewegte sich auf dem Loader, aber während der Dreharbeiten ließ Cameron alle Kabel kappen und sie benutzten dünne Plastikfäden, um die Arme zu bewegen.

 

SFF) Was genau haben Sie für TANZ DER TEUFEL 2 gebaut?

 

 J. B.) Ich habe die Miniaturkulissen für die Szene mit der "tanzenden Leiche" gebaut. Das Set, die Bäume und die Hütte. Dann habe ich die Hütte entfernt und einen Baum aufgestellt, um den die Leiche tanzen sollte. Ich habe ihn aus einer Mischung aus Pappmaché und Weißleim hergestellt und mit einer Gabel geformt.

 

SFF) Sie arbeiten für Filme seit über 40 Jahren. Welche haben Sie besonders genossen und/oder gab es Filme, bei denen Sie unter großem Druck standen?

 

J.B.) Meine Karriere begann 1980 und dauert bis heute an. Ich habe Modelle, Requisiten und architektonische Modelle für Themenparks wie Walt Disney Imagineering comp. Hergestellt. Die Zeit war immer der Bösewicht. Der einzige Job, den ich gehasst habe, war die Arbeit an dem Terminator-3D-Theater, bei dem James Cameron Regie führte. Ich hatte eine schlechte Zeit mit dem Produzenten.

In all den Jahren, in denen ich an Miniaturen in Filmen gearbeitet habe, ist ALIENS mein Favorit. Die Arbeit an Camerons Terminator 3D-Theater war der schlimmste Job, weil die Leute unerfahren waren und keine Zeit hatten, die Arbeit zu erledigen.

 

SFF). Was halten Sie von CG im Vergleich zum Modellbau von damals? Gibt es Ihrer Meinung nach eine Art Renaissance dieser Kunst?

 

J.B.) Ich mag CGI, wenn es dazu dient, die Miniaturen zu unterstützen und nicht um sie in der Aufnahme zu überlagern. Ich denke, die Leute wissen, ob eine echte Miniatur auf dem Bildschirm zu sehen ist oder eine flache CGI-Aufnahme verwendet wird. Ich würde ehrlich gesagt lieber eine Miniatur sehen, weil das natürliche Licht von den Modellen reflektiert wird. Sieht einfach besser aus.

 

SFF) Wenn Sie an einem Modell für einen Film gearbeitet haben, z. B. HIGHLANDER II (1991), wie sind Sie dabei vorgegangen? Wie genau waren die Vorlagen, oder haben Sie viel Kitbashing betrieben?

 

J.B.) Ich habe an HIGHLANDER II gearbeitet, Ron Thornton war dafür zuständig. Die meisten Modelle waren schon fertig, aber es fehlten noch Details. Ich wurde mit der Detailarbeit betraut, indem ich Gussformen im Inneren des Pyramidengebäudes aufklebte und eine Struktur in der Wüste baute, an die Fahrzeuge heranfahren. Ron Thornton war ein langjähriger Freund von mir, den ich bei ROBOTJOX kennen gelernt hatte. Wir haben keine Bausatzteile verwendet, sondern Teile, die für ROBOTJOX und dem Sternenschiff aus SPACEBALLS (1987) hergestellt wurden.

 

SFF.) Haben sie ein Projekt, das Sie schon immer mal machen wolltest oder ist da etwas in Arbeit, an dem wir uns in Zukunft erfreuen können?

 

J.B.) Ich habe immer Projekte. Hoffentlich kann ich nächstes Jahr ein Science-Fiction-Buch veröffentlichen, an dem ich gearbeitet habe.

 

SFF) Wenn Sie auf die glorreichen Zeiten der 1980er und 90er Jahre zurückblicken, was denken Sie dann?

 

J.B.) In den 1980er Jahren gab es mehr Filme als heute. Mein Telefon klingelte täglich weil mich jemand engagieren wollte. Aber die Produzenten begannen, unsere Budgets zu halbieren und die Zeit für die Arbeit zu verkürzen. Es machte keinen Spaß mehr, also verlagerte ich meine Karriere auf den Bau von Miniaturen für Themenparks wie Tokyo Disneyland.

 

SFF) Sehr geehrter Herr Belohovek.  Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben, und wünsche Ihnen alles Gute für Ihr weiteres Filmschaffen.