Science Fiction Filme) Lieber Mr. MacRae. Man kann sie ohne Zweifel al seine Modellbaulegende bezeichnen.  Nicht nur für Film und Fernsehen haben Sie gearbeitet, sondern auch für zahlreiche Modellbaufirmen (wir kommen später dazu). Könnten Sie uns bitte zunächst erzählen, was Sie gemacht haben, bevor Sie ins Filmgeschäft kamen. Warum haben Sie sich für den Beruf des SFX/Model entschieden?

 

Bruce MacRae) In die Filmindustrie zu kommen war ein ziemlich langer Weg. Ich habe mit 7 Jahren angefangen, mich für Modellbausätze zu interessieren und habe nie damit aufgehört. Ich modelliere bis heute. 1968, mit 15, entdeckte ich die IPMS (International Plastic Modeling Society) und war erstaunt über die Qualität des Modellbaus. Die Leute verwandelten "einfache" Plastikbausätze in Modelle in Museumsqualität. Ich fand sehr talentierte Leute, von denen ich lernen konnte und sie beantworteten nachsichtig alle meine Fragen.

 

Innerhalb weniger Jahre nahm ich erfolgreich an monatlichen und regionalen Wettbewerben teil. Diese Wettbewerbe sind dazu gedacht, meine Modellierfähigkeiten zu verbessern und bald gewann ich.

Viele meiner siegreichen Modelle wurden in den 70er Jahren in der Zeitschrift “Scale Modeler” vorgestellt, was mir weitere Möglichkeiten eröffnete. Ich betrieb etwa ein Jahr lang einen Bastelladen in Santa Monica, Kalifornien und meine dort ausgestellten Modelle waren sehr beliebt.  Ich verließ den Hobbyladen, als meine berufliche Laufbahn begann.

 

Ich wurde von einigen Modellbausatz-Firmen ausgewählt, ihre Bausätze für die "Box Art" zu bauen. Das sind die Bilder, die man auf der Vorderseite eines Bausatzes findet, wenn man ihn kauft. Das war eine einmalige Gelegenheit, denn sie hatten gerade aufgehört Bilder für ihre Schachteln zu verwenden und wollten stattdessen Fotos von den tatsächlichen Bausätzen. Das bedeutet ich baute Bausätze, bevor sie für die Öffentlichkeit erhältlich waren. Zu diesen Firmen gehörten Intex, Testors (die ihre Künstler auf den Schachteln gutgeschrieben haben), Bandai, AMT, und ich verbrachte 2 Jahre bei Revell. Ich habe ungefähr 50 Box Arts gemacht.

In den 70er Jahren habe ich einige Auftragsarbeiten für Leute gemacht, die meine Arbeit im” Scale Modeler” gesehen haben. Ich habe so viele Aufträge gemacht, dass ich merkte, dass es meinen persönlichen Bausatzbau störte, der einfach nicht so viel Spaß machte. Aber es war eine großartige Zeit!

 

Eines Tages im Jahr 1978 stellte ich meinen selbstgebauten STAR WARS Stormtrooper auf einer Messe aus, als ich von einigen Leuten "aus der Filmindustrie" angesprochen wurde, die mich fragten, ob ich an STAR TREK – DER FILM (1979) mitarbeiten wolle. Natürlich habe ich die Chance ergriffen. Ich landete bei BPMM und machte Requisiten für die TV-Serie PROJEKT UFO und baute bald darauf Requisiten für den ersten STAR TREK – Film. Darunter die Tricorder, Phaser, Bio-Gürtelschnallen und dergleichen. Wegen STAR TREK war ich berechtigt, der Gewerkschaft IATSE Local 44 beizutreten - und das öffnete mir weitere Türen in der Filmindustrie.

 

SFF). Sie sind ein fabelhafter Meister der Bausätze. Soweit ich informiert bin, war Ihr erster Bausatz von Revell die “Flying Fortress” aus der B-17 F-Serie. Mit diesem Bausatz fing im Grunde alles an. Können Sie uns sagen, was das Besondere an diesem Bausatz war und wie er Ihr späteres Berufsleben beeinflusst hat?

 

B.Mc.) Ich habe nie eine Folge von 12 O´CLOCK HIGH (1964 – 67) verpasst und bin ein großer Fan von Militärflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg. Nachdem ich den Bausatz von Revell gebaut hatte, besuchte ich ihre Einrichtung, um einige Details des Bausatzes, wie er produziert wurde, zu besprechen, einschließlich ihrer Bemalungsanleitung. Ich wollte einige Details besprechen, die weggelassen worden waren, die aber meiner Meinung nach hätten enthalten sein sollen. Lloyd Jones war damals der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Revell, und er kam freundlicherweise herunter, um mit mir zu sprechen. Er hörte geduldig zu und erklärte dann, dass Revell "nicht im Geschäft ist, Modelle zu bauen, sondern Geld zu verdienen." Ohne die Firma zu verunglimpfen, erklärte er, dass sie die fehlenden Informationen hatten, sie aber aus Kostengründen nicht in die produzierten Modelle einbauten. Er erzählte mir auch von der Geschichte der Firma und wie der Maßstab 1/72 gewählt wurde, weil er in die vorhandenen Kartons passte.

 

Mr. Jones gab mir eine Tour durch die gesamte Produktion, von der Konzeption über das Design bis hin zu Werkzeugbau, Guss und Verpackung. Der Essensraum war ein echter Augenöffner: Seine Wände waren mit Glasvitrinen VOLL von Modellbausätzen bedeckt. Ich hatte in meinem Leben noch nie so viele gebaute Bausätze gesehen. Alles in allem war Revell sehr freundlich zu meinen jungen Vorstellungen von der Modellproduktion.

 

Mr. Jones machte mich mit der IPMS bekannt, die sich in diesem Lunchraum traf. Ich genoss ihre Treffen dort etwa 10 Jahre lang.

Durch diese B-17 lernte ich also die IPMS kennen, die diese Fähigkeiten förderte. Und dank der IPMS konnte ich während der Goldenen Jahre der Filmminiaturen in die Filmindustrie einsteigen.

 

SFF). Sie haben bis heute für vier Modellbauunternehmen gearbeitet. Was hat Sie am Modellbau fasziniert? Hatte jede dieser Firmen ein besonderes Profil, das Sie motiviert hat, dort zu arbeiten?

 

B.Mc.) Ich hatte das Glück, von diesen Modellbaufirmen für etwas angeworben zu werden, was ich sehr gerne mache und sowieso gemacht hätte: Modellbausätze bauen! Ab und zu konnte ich mit einem dieser Bausätze an einem Modellbauwettbewerb teilnehmen, und das hat Spaß gemacht. Die Arbeit für die Modellbaufirmen beeinträchtigte mein Hobby, Bausätze für Wettbewerbe einzureichen, nicht wirklich, sondern ermöglichte es mir, mein Modellbau-Hobby auf lohnende Weise zu betreiben.

 

Ich nahm weiterhin an Wettbewerben teil, bis etwa Ende der 70er Jahre. Meine Arbeit in der Industrie begann, den größten Teil meiner Zeit und Energie in Anspruch zu nehmen und als eines Tages ein Kind ein Schwert aus einem meiner Dioramen bei einem Wettbewerb stahl, beschloss ich schließlich, dass es an der Zeit war, eine Pause von Modellbauausstellungen einzulegen.

 

SFF) Gab oder gibt es einen Bausatz, der Sie vor große Herausforderungen gestellt hat, und wenn ja, welche waren das?

 

B.Mc.) Da gab es im Laufe der Jahre viele, aber der STAR WARS Stormtrooper im Maßstab 1:9 war eine der größten Herausforderungen. Revell überprüfte ihre alten Formen und hatte 3 oder 4 ihrer Flash-Gordon-Figur von 1964 herausgebracht, nur als Test. Sie gaben mir die Figuren, da sie sie nicht wirklich produzieren wollten, und ich ertappte mich dabei, wie ich mir einen Stormtrooper vorstellte. Er war etwa 20 cm groß. Ich schnitt sie auseinander um sie neu zu positionieren und baute dann die Stormtrooper-Rüstung mit Spachtelmasse und Styrolplatten. Die größte Herausforderung war, dass ich den Helm komplett neu bauen musste, da es zu dieser Zeit nichts Vergleichbares gab. Es gab noch keine Stormtrooper-Bausätze; es dauerte Jahre, bis Bandai ihre herausbrachte.  Ich verbrachte etwa 50 Stunden allein mit dem Helm, vor allem damit ihn symmetrisch zu gestalten. Für den Rest der Figur habe ich weitere 50+ Stunden aufgewendet.  Ich hatte sogar einen Modellautobauer, der mir eine Lektion in Sachen Hochglanzlackierung erteilte um das richtige Finish zu erzielen. Dieser Stormtrooper war eine echte Herausforderung, aber es hat sich gelohnt, wie der Vertreter von BPMM gesehen hat, der mir einen Job angeboten hat.

 

Der Stormtrooper begleitete mich zu mehreren Vorstellungsgesprächen, unter anderem bei Heartland Universal, wo mich Pete Gerard für eine mögliche Arbeit am AIRPORT ´79 – DIE CONCORDE (1979) interviewte. Ich zeigte ihm den Stormtrooper und er kommentierte: "Was für ein schöner Bausatz." Als ich ihm sagte, dass es ein Scratch-Baukasten sei glaubte er mir nicht, aber ich wies ihn darauf hin: "Wenn es ein Bausatz ist, haben Sie ihn dann im Regal gesehen? Und wie haben sie diese Hinterschneidungen mit einem Stahlwerkzeug gemacht?" Er schaute es sich noch einmal an und sagte mit Augen so groß wie Untertassen: "Wow, es IST selbstgebaut!"  Ich habe mehrere Jahre mit ihm gearbeitet, und wir lachen immer noch darüber. Pete ist ein erstaunlich talentierter Modellbauer.

 

SFF) Was war Ihr erster Film, an dem Sie gearbeitet haben und wie haben Sie den Job bekommen?

 

B.Mc.) Douglas Trumball und John Dykstra arbeiteten bei Future General an Modellen für einen Themenpark. Ich war noch auf dem College und Gregory Jein, mit dem ich die nächsten 30 Jahre immer wieder zusammenarbeitete, stellte mich in Teilzeit für dieses Projekt ein, aber es war nicht wirklich ein Film.

 

Der erste "richtige" Film, an dem ich gearbeitet habe, war wie gesagt STAR TREK – DER FILM. Aber davor hatte ich kleinere Gelegenheiten, darunter DELTA III – WIR WOLLEN NICHT ZURÜCK ZUR ERDE (1979) bei BPMM und THE SPACE-WATCH MURDERS (1975) ein Fernsehfilm, der seitdem nie wieder gesehen wurde. Ich wurde von Bob Shepherd an sie verwiesen, der aufgrund von Drehbuchverzögerungen keinen Platz für mich bei KRIEG DER STERNE (1977) finden konnte.

 

  SFF) Haben Sie persönliche Vorbilder oder Lieblingsfilme in Ihrer Branche?

 

B.Mc) Die Filmindustrie hat mich einfach aus dem Himmel geholt. Ich besuchte Wilshire Hobbies in Santa Monica, CA, während Bob Shepherd für eine damals neue Firma namens Magicam arbeitete. Bob bat den Laden um Empfehlungen für junge Modellbauer und obwohl ich zu diesem Zeitpunkt keinen Job bekam, brachte das meinen Namen "nach draußen".

 

Zu den Filmen, die mich wirklich beeindruckt haben (und an denen ich nicht mitgearbeitet habe), gehörten JASON UND DIE ARGONAUTEN (1964), insbesondere die kämpfenden Skelette. ALARM IM WELTALL (1956) und DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILL STAND (1951) waren ebenfalls faszinierend. Und natürlich hat mich INVASION VOM MARS (1953) als Kind so sehr erschreckt, dass ich lange Zeit nicht in die Nähe von Sand gegangen bin - nicht einmal in einen Sandkasten.

 

Einer meiner Lieblingsfilme, an dem ich mitgearbeitet habe, war AIR FORNE ONE (1997). Ich habe kürzlich gehört, dass Boeing unser Air Force One-Modell hat und es eines Tages ausstellen wird.

 

TITANIC (1997) war auch ein guter Film. Leider habe ich an vielen Projekten gearbeitet, die Filme hervorbrachten, die, seien wir ehrlich, nicht so gut waren. Trotzdem waren einige der Projekte ein Knaller, wie zum Beispiel eine Serie von Sunkist-Werbespots, bei denen wir überall Orangen animiert haben. Es war durchaus möglich eine wirklich gute Zeit zu haben, tolle Modelle zu machen und an einem Projekt zu arbeiten das einfach kein Erfolg war. Wie man so sagt:  "Ich spiele nur die Noten, ich habe die Musik nicht geschrieben."

 

SFF) Sie haben 33 Jahre lang in der Filmbranche in verschiedenen Positionen gearbeitet. Welche haben Sie besonders genossen bzw. gab es Filme, bei denen Sie unter großem Druck standen?

 

B.Mc.) Wir standen immer unter großem Druck. Einen entspannten Job gab es eigentlich kaum. Wenn es nicht gerade einen engen Abgabetermin gab fragten wir uns immer, wann "der nächste Schuh fallen wird".

 

Ich glaube, ich war am liebsten Maler, aber auch der Formenbau und das Gießen haben mir Spaß gemacht. Es war immer eine Freude Bereiche mit Details zu versehen. Greg Jein hat mich einmal beauftragt, die Nase eines klingonischen D-7-Kreuzers zu detaillieren, und ich habe Hunderte von kleinen Plastiksplittern darauf gesetzt. Ich glaube, das war für eine Episode von STAR TREK – THE NEXT GENERATION.

Meine Lieblingsbemalung für einen Film war wahrscheinlich die Bemalung aller Militärflugzeuge für AIR FORNE ONE: 4 KC-10s , 4 F-15s, 11 Mig-29s (10 waren Pyros) und eine C-130 Hercules. Diese habe ich alle selbst bemalt. Die “Air Force One” selbst habe ich nicht komplett bemalt, aber ich habe die Recherche-Fotos dafür gemacht, als die Air Force One Los Angeles besuchte und habe mich sogar mit dem Weißen Haus und der Andrews Air Force Base darüber beraten. Es gibt nichts Lustigeres als zu hören: "Bruce, Sie haben einen Anruf aus dem Weißen Haus auf Leitung 2" über das Shop-PA-System. Das Pentagon hat auch angerufen.

 

Bei der TITANIC war ich Supervisor für die Abteilungen Farbe und Formen für die zweite Einheit, was bedeutet, dass ich für die Farbe sowohl des großen Modells als auch der "Wrack"-Modelle der Titanic, der Rettungsboote und der Schlepper verantwortlich war. Ich musste dafür sorgen, dass alle Formen und Gussteile (Hunderte davon) für diese Modelle hergestellt wurden. Es war nicht so sehr, dass der Job eine Herausforderung war, er war sehr einfach.  Aber die meisten meiner Mitarbeiter, über die Hälfte, waren unerfahren. Insgesamt waren etwa 75 Modellbauer an dem Projekt beteiligt, aber bei einem so hohen Prozentsatz an Neulingen brauchten sie eine Menge Aufsicht. Wir nannten sie "Welpen". Sie waren aufgeregt, glücklich und enthusiastisch, aber man musste sie ständig im Auge behalten, weil man nie wusste, was sie als nächstes tun würden. Sie hielten mich wirklich auf Trab. Aber es war auf jeden Fall ein lustiger Job und die Herausforderung hat Spaß gemacht.

 

Details sind alles in so einem Job. Wir haben über 100.000 handgesetzte Nieten hergestellt - man bohrt ein Loch und setzt eine Niete, genau wie beim "echten" Schiff. Wir haben Hunderte von Liegestühlen hergestellt. Wir haben das Verfahren zur Herstellung der Rostzapfen für das Wrack der Titanic erfunden - aus Cheetos. Hunderte von Tüten mit Cheetos. Ich werde nie wieder Cheetos essen. Diese Details haben sich aber gelohnt. Cameron sagte uns, dass unser Wrack "echter aussah als das echte", und verwendete viel von unserem Modellmaterial anstelle von "echtem" Filmmaterial des Wracks, das er eigentlich verwenden wollte.

Einer der Vorteile, den ich als Supervisor hatte, war, dass ich den Namen "Titanic" auf den Bug und das Heck des Heldenmodells malen durfte.

 

SFF.) Was ist Ihre Meinung über die Ausbildung, um Experte für Spezialeffekte/Modellbauer zu werden? Gibt es irgendwelche Voraussetzungen oder Talente, die man neben der Begeisterung mitbringen muss?

 

B.Mc.) Fast alle von uns waren bereits leidenschaftliche Modellbauer, als die Industrie uns brauchte. Wenn Leute fragen, wie man ein Modellbauer für Filme wird, sage ich ihnen, dass man ZUERST Modelle bauen muss. Ich habe nicht wirklich eine spezielle Ausbildung für diesen Job bekommen. Tatsächlich belegte ich im College einen Airbrush-Kurs, von dem ich hoffte, er würde mir helfen, aber es stellte sich heraus, dass ich mehr darüber wusste als der Lehrer. Ich belegte einen Modellbaukurs (für Requisiten), der mir ein paar Fertigkeiten vermittelte, wie z. B. die Verwendung von RTV-Gummi und das Schneiden von Holz für die Herstellung von Mustern, aber auch das hat nicht wirklich viel gebracht. Beim Modellbau geht es nur um  Modellbau. Manche Leute spezialisieren sich auf Scratch Building. Manche spezialisieren sich auf Elektronik oder arbeiten in Maschinenwerkstätten, um fein gedrehte Produkte herzustellen. Manche machen Gussformen oder malen. Bildhauer sind in einem ganz eigenen Universum. All das sind spezielle Fähigkeiten. In der Filmindustrie kannte ich nie jemanden, der das alles konnte. Meine besonderen Fähigkeiten sind das Formen, Gießen, Bemalen und Detaillieren.

 

Wenn man mit diesen Grundfertigkeiten zur Tür hereinkommt, lernt man viel mehr als man jemals in einer Schule lernen könnte. Als ich 1986 bei Boss Films (Die SFX-Firma von Richard edlund; MASTERS OF THE UNIVERSE) anfing, war ich bereits Modellbauer und Maler. Dort war Ron Gress mein Mentor beim Malen und das Beste was er mir beibrachte war, wie man Farben "sieht" und wie man sie mischt. Ich habe von ihm unheimlich viel über Farben gelernt.

 

Kunstunterricht, Holzwerkstatt und Metallwerkstatt können nützlich sein, aber eine wirkliche Modellbauausbildung gibt es nicht. Man muss es selbst von anderen Leuten lernen. Das Schöne an der Industrie war, dass wir von wirklich erstaunlichen Leuten lernen konnten, die unsere Fragen beantworteten. Wir sind stolz darauf diese Fähigkeiten an die nächste Generation weiterzugebe.

 

SFF) Sie waren lange Zeit als Modellbauer für Filme tätig. Was denken Sie über Ihre Art der Arbeit im Film? Ist es nur eine technische oder ist es Kunst? Bekommen SFX/ Modelling genug Anerkennung?

 

B.Mc.) Meine Art von Arbeit beim Film wurde immer unter einer Deadline gemacht und diese Deadlines haben alles beeinflusst, was wir gemacht haben. Obwohl es also eine Kombination aus Kunst und technischem Können ist mussten diese in die Zeitlinie eingepasst werden.  Handwerkliches Können bedeutet, dass man seine Kunst oder sein Kunstwerk so gestaltet, dass es die Bedürfnisse des Kunden erfüllt.  Wir waren künstlerische Handwerker.

 

Wir waren immer stolz darauf Kunst zu machen, die nie "gesehen" wurde, weil sie einfach zu "echt" aussah.

Die Academy Awards wurden ab den 50er Jahren für Spezialeffekte (damals noch Visual Effects) vergeben. Zu den Preisträgern gehörten so bahnbrechende Arbeiten wie 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER (1954), MARY POPPINS (1964) KRIEG DER STERNE. Ich glaube das erste Mal, dass meine Arbeit nominiert wurde war für STIRB LANGSAM (1988). Sie müssen verstehen, dass die Arbeit einer MENGE Leute in jedes Visual-Effects-Paket einfließt, beileibe nicht nur meine.  1997 wurden zwei Filme, an denen wir gearbeitet haben, für die Academy Awards in Visual Effects nominiert: STARSHIP TROOPERS und TITANIC. Natürlich hat Titanic gewonnen und darauf waren wir alle sehr, sehr stolz. Später wurden auch HOLLOW MAN (2001) und POSEIDON (2006).

 

SFF.)  Was denken Sie über die Arbeit mit CGI im Vergleich zum Modellbau von damals? Gibt es, Ihrer Meinung nach, eine Art Renaissance dieser Kunst?

 

B.Mc.) Wir konnten mit THE LAST STARFIGHTER (1984) sehen, wie CGI langsam aufflammte. Abwer man erkannte, dass es “noch nicht da war”. TRON (1982)   hat einen viel besseren Job gemacht, weil er offen gesagt nicht wirklich versucht hat echt auszusehen. 

CGI funktioniert am besten, wenn es "echte" Dinge nachahmt, denn egal wie schön Ihr CGI-Modell des Raumschiffs USS Enterprise ist, wir wissen, dass es nicht echt ist. Also erwarten wir CGI oder zumindest eine Miniatur. Wenn wir Menschen sehen, die unmögliche Dinge tun (wie Spiderman) wissen wir, dass es CGI ist.  Regisseure sind berühmt dafür, choreografierte Stunts zu entwerfen die einfach nicht real sein können und tief in unseren Köpfen wissen wir, dass sie nur CGI sind. Schauen Sie sich Peter Jackson an - er weiß einfach nicht, wann er aufhören muss, und seine CGI überwältigt den Zuschauer einfach.

 

Ich denke also, dass CGI ein Werkzeug ist, das übermäßig benutzt und missbraucht wurde und dadurch seine Wirkung verliert.  Wie wenn man zu viel Schokoladenkuchen isst, bis man die Schokolade nicht mehr schmecken kann.

 

Miniaturen und andere Spezialeffekte sind viel besser geeignet um in unseren Köpfen "echt" zu wirken. Zum einen sind sie tatsächlich 3D, anstatt es zu imitieren. Licht bewegt sich realistisch über eine Miniatur. Sie sehen "echt" aus, weil sie es sind.  Wenn sie mit der richtigen Beleuchtung fotografiert werden, kann man den Unterschied zwischen einer Miniatur und einem Objekt in Originalgröße nicht erkennen.  Unser Verstand leistet großartige Arbeit beim Sehen und Erkennen der Realität, indem er unendlich viele Details von Licht, Schatten und Maßstab verarbeitet ohne dass unser Bewusstsein die Details verstehen muss.  Bei einer Miniatur, weil Licht, Schatten und Maßstab tatsächlich vorhanden sind, sieht unser Verstand sie als real an.

 

Der Raum, in dem Sie sitzen, ist voll von Milliarden von Informationsbits in Licht, Schatten und Farbe. Wir verarbeiten diese Informationen ohne darüber nachzudenken. Wenn Sie sich auf ein Buchcover konzentrieren, sehen Sie es im Detail, aber normalerweise sehen wir nur etwa 10% davon. Ihr Verstand konzentriert sich nur auf die Informationen die er braucht, aber die ganze Information ist immer noch da.  Wenn wir etwas fotografieren, nehmen wir alle Informationen auf, um sie den Gehirnen der Betrachter zu präsentieren.

Bei CGI müssten die Computerkünstler all diese Milliarden von Details erzeugen, und das tun sie nicht. Folglich kann unser Verstand den Unterschied zwischen CGI und einer Miniatur erkennen.

 

Ein Vorteil von CGI ist die unendliche Schärfentiefe bei jedem Motiv, während bei einer Miniatur die Schärfentiefe umso geringer wird, je näher die Kamera kommt und das kann den Maßstab verraten.

 

Das klassische Beispiel dafür ist ein alter Marinefilm aus den 40er Jahren. Da ist der U-Boot-Kapitän, der durch sein Periskop auf ein Schiff schaut.  Der Ozean springt vor seine Linse, in perfekter Schärfe, doch das Heck des Schiffes in der "Ferne" erscheint unscharf.

Bei Coppolas DRACULA (1992) mussten wir eine Szene filmen, in der Van Helsing die Särge Draculas verbrennt um ihn aus Carfax Abbey zu vertreiben. Sowohl für Feuer als auch für Wasser gilt die Faustregel, dass der Miniaturmaßstab nicht kleiner als 1:4 sein darf.  Daher war das Carfax Abbey Set riesig, weil wir es im Maßstab 1:4 gebaut haben, also war es über 6 Meter hoch und die Basis war etwa 12 – 18 Meter im Quadrat. Als wir unsere Miniatursärge in Brand setzten, sahen die Flammen (die nicht gezwungen werden können, ihre Größe zu ändern) maßstabsgetreu aus, weil sie im Maßstab 1:4 waren. Die Zuschauer waren leicht in der Lage zu glauben, dass sie "echte" Särge brennen sahen. Das riesige detaillierte Set wurde im Grunde nur für diese eine Einstellung gebaut.

 

In einem der frühen Batman-Filme wird Batmans Flugzeug vom Joker abgeschossen und legt eine Bruchlandung auf den Stufen der Kathedrale von Gotham City hin. Die Flammen, die auf der Straße zu sehen sind, die Autos und der Absturz waren nicht maßstabsgetreu, weil die Autos nur etwa 1,80 Meter lang waren.  Die Szene schrie geradezu: "Ich bin ein Fake!", weil die Miniaturen nicht groß genug waren, um mit den Flammen übereinzustimmen. Vielleicht wäre das ein guter Ort gewesen um CGI einzusetzen.

 

In STIRB LANGSAM  mussten wir einen Feuerball einen dreißigstöckigen Fahrstuhlschacht hinaufjagen. Natürlich mussten wir ein Modell verwenden, weil der Besitzer des Gebäudes nicht wollte, dass wir einen echten Feuerball in seinen echten, funktionierenden Aufzugsschacht schießen.  Wir bauten im Boss Films Shop einen Aufzugsschacht, der über 6 Meter hoch war.  Er hätte noch höher sein können, aber als wir ihn auf der Tonbühne aufstellten, stieß er fast an die Decke.  Der Aufzugsschacht nutzte die "erzwungene Perspektive" um ihn innen größer aussehen zu lassen. Der Boden verengte sich zu einem Quadrat von etwa 2, 40 Meter und der obere Teil war ein Quadrat von 1, 20 Meter.  Dies sorgte für einen natürlichen Fluchtpunkt. Wir zündeten eine pyrotechnische Ladung am unteren Ende des Schachts (wozu unser Pyroexperte auf dem Rücken liegend unter einer Plattform am Boden lag), um den Feuerball zu erzeugen, der dann den Schacht hinauf explodierte. Natürlich wurde der Kopf von Bruce Willis, der in den Schacht hinunterschaut, später per Blue-Screen eingeblendet.

 

Interessanterweise funktionierte die erzwungene Perspektive des Schachts so gut, dass wir bei der Arbeit daran das Gefühl hatten, Hunderte von Metern in den Schacht hinunterzuschauen und uns schwindlig wurde. Ich musste meine Augen schließen und dann vorsichtig auf den Boden der Bühne außerhalb des Schachts schauen, damit mir nicht zu schwindelig wurde, um zu arbeiten. Es gab eine Zone in der Mitte des Schachts, die weder von oben noch von unten erreicht werden konnte, also klebte ich Lichter und Kleber auf einen langen Stock, griff in den Schacht hinunter und positionierte die Lichter an der Wand. Es war seltsam zu beobachten, wie der Arbeitsstab "länger" wurde, während wir ihn in die erzwungene Perspektive hinabließen. Ich senkte den Stock ab und versuchte, die Markierung mit dem klebrigen Licht zu treffen, während ein Freund Beschleuniger auf den Stock träufelte. Dann drehte ich den Stock um zu sehen, ob das Licht hängen blieb. In der Hälfte der Fälle blieben die blöden Dinger nicht kleben, sondern fielen auf den Boden des Schachts, und ich musste ihnen hinterherkriechen - und es noch einmal versuchen.

 

Aber für diese Aufnahme war es entscheidend, dass wir eine Miniatur anstelle von CGI hatten.

In TITANIC  hatten wir ursprünglich ein 1:8-Modell des großen Schiffes geplant, aber das wäre über 33 Meter lang lang gewesen. Das war viel zu teuer. Also haben wir im Maßstab 1:20 gebaut, was immer noch über 12 Meter lang war.  Folglich befand es sich in einem komplett CGI-gefertigten Ozean, denn das war die einzige Möglichkeit, das Wasser und den Rauch (aus den Schornsteinen des Schiffes) maßstabsgetreu darzustellen. Hätten wir ein CGI-Schiff verwendet hätte es nicht genug Details gehabt, um für die Augen der Zuschauer echt auszusehen. Und das Wasser hätte unecht ausgesehen, wenn wir echtes Wasser und eine kleine Miniatur verwendet hätten. Dies war die perfekte Verbindung von CGI und einer Miniatur.

 

SFF) Wenn Sie an einem Modell für einen Film gearbeitet haben, zum Beispiel STARSHIP TROOPERS, wie sind Sie dabei vorgegangen? Wie genau waren die Vorlagen oder haben Sie viel mit Kitbashing gearbeitet?

 

B.Mc.) Wir hatten oft eine Zeichnung, vielleicht auch Pläne, wenn wir Glück hatten, von der allgemeinen Struktur der Miniatur die wir zu bauen versuchten. Je nachdem, um was es sich handelte, z. B. ein Raumschiff, haben wir es mit unserer Kreativität und etwas Kitbashing detailliert. Bei STARSHIP TROOPERS gab es eine riesige Menge an Details. Wir nannten einen Bereich des Rodger Young "The Strip", nach dem Las Vegas Strip, weil er so stark detailliert war. Es sah einfach aus wie ein Hotelstrip mit vielen rechteckigen Kästen, die in die Höhe ragten.

 

Der Großteil der Miniaturen für STARSHIP TROOPERS  wurde von Thunderstone erstellt. Da ihnen die Zeit und das Budget für die Dreharbeiten zu den Effekten ausgingen, beauftragte Thunderstone Boss Films und ILM mit dem Bau von 2 weiteren 5,50-Meter-Modellen von der Rodger Young, die auf dem Modell von Thunderstone basierten. So waren es drei Firmen, die in kurzer Zeit die Miniaturaufnahmen machten. Dies führte zu Kostenüberschreitungen. Ich arbeitete an den Miniaturen bei Boss Films. Wir machten auch 2 Asteroiden und die Nahaufnahme der Brücke der Rodger Young, die im Film zertrümmert wird. Wir haben das ganze Schiff von Grund auf neu gebaut, basierend auf Fotos von Thunderstone.

 

Gene Rizzardi und Jim McGeachy arbeiteten an einem Borg Cube Schiff, das komplett mit Bausatzteilen (genannt "Grebils") bedeckt war, einschließlich ganzer Angussbäume. Mit dem Aufkommen von DVDs und DVR-Aufnahmen macht es jetzt viel Spaß, Modelle einzufrieren und zu sehen wie sie wirklich gebaut werden! Laut Ken Swenson und Greg Jein hatte das Mutterschiff aus UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART (1977) so viele "Grebils", dass es unter anderem mit Angüssen, Flugzeugen, Briefkasten, Grabsteinen und sogar, ja, R2D2 bedeckt war. Das Schiff befindet sich jetzt im Smithsonian in Dulles und das Kitbashing ist dort für alle zu sehen.

 

Von 1975-1977, als KRIEG DER STERNE und UNHEIMLICHE BEGEGNUNG gedreht wurden, kam das Kitbashing so richtig in Schwung und so ziemlich alles was mit Science-Fiction zu tun hatte, wurde mit Kitbashing detailliert.  Der Anzio Annie-Bausatz von Hasagawa war einer der beliebtesten Bausätze zum Zerhacken und für die Detaillierung zu verwenden, in der Tat, Teile davon erscheinen auf Darth Vaders TIE Fighter. Für die TV-Serie KAMPFSTERN GALAKTICA) kaufte man eine Kiste Roco Mini Tanks M-114 und benutzte die oberen Rümpfe, um die obere Struktur der Galactica selbst auszukleiden.

 

SFF) Könnte es sein, dass Sie ein großer Fan von R2D2 sind? Denn Sie und Ihre Crew haben ihn in einigen Modellen versteckt, z.B. in STARSHIP TROOPERS.

 

B.Mc.) Der Grund warum ich anfing R2D2 auf meinen Arbeiten zu platzieren war, als KRIEG DER STERNE  ein großer Hit wurde, jeder in Hollywood plötzlich Science-Fiction-Filme machen wollte und meine Karriere so richtig Fahrt aufnahm. Ich wollte mich also einfach bei George Lucas bedanken, dass er mir eine Karriere ermöglicht hat.

 

R2D2 war auf den meisten Miniaturen, an denen ich gearbeitet habe, in den meisten Filmen zu sehen, wann immer ich es einrichten konnte.  Einer meiner Lieblingsplätze war auf der Oberseite des Hecks der “Air Force One”. Er sieht aus wie eine kleine weiße Beule. Er war auf jeder Flugzeugminiatur in AIR FORNE ONE. Ich hatte einen R2D2, der etwa 15 Zentimeter groß war, den ich gegossen hatte und bewahrte mehrere Abgüsse in meinem Werkzeugkasten auf. Wann immer ich eine Gelegenheit sah habe ich ihn hineingesteckt. Ich glaube der erste Platz, an dem ich ihn unterbrachte war auf einem PROJEKT UFO - Modell. Er kommt wirklich herum. Er ist auf der Brücke der TITANIC  zusammen mit einem Miniatur-Godzilla; er ist in einigen der Gebäude und ist eine Kühlerfigur auf einem der Autowracks im Fluss von GODZILLA (1998). Er war auch auf der Spitze der Panzer in GODZILLA. Er ist sogar auf dem Schiffsmodell der EARTH STAR VOYAGER.

 

Auf der Rodger Young waren 5 R2D2s, alle grün bemalt. Ich habe sie alle auf dem Rumpf angebracht, als mein Chef, Dave Jones, hereinkam und sie sah. Er sagte: "Das ist R2, nicht wahr?" und ich sagte: "Ja, das ist er." Er fragte: "Gibt es noch mehr davon?" und ich sagte ihm: "Ja, es sind 5." Ich wartete darauf, dass er mir sagte, ich solle sie abnehmen, also sagte ich ihm: "Nun, ich werde sie nicht silber, weiß und blau anmalen!  Das sind militärische R2-Einheiten, also werde ich sie grün anmalen, und wo sollten sie sonst sein als auf dem Rumpf, um das Schiff zu warten?" Wieder Totenstille. Dann sagte er nur "OK" und ging weg.  Gegen Ende der Mittagspause sah ich ihn in der Lackierkabine, wo er Fotos von den R2-Einheiten machte, also wusste ich, dass alles in Ordnung war.

 

In dem Paramount-Pilotfilm zu STAR TREK – THE NEXT GENERATION (1987) baute ich  eine Figur ein fliegendes RC-Modell eines Raumschiffs. R2 ist der Steuerknüppel im Cockpit des RC-Modells, und die Bildschirme zeigten Bilder von Gene Rizzardi und mir.

 

SFF) Für den Film GODZILLA von 1998 haben Sie Gebäude und Gebäudeteile aus anderen Filmen wie DAS FÜNFTE ELEMENT verwendet. Ist es nicht manchmal traurig zu sehen, dass diese großartige Arbeit, die monatelang entsteht, im fertigen Film nur für wenige Sekunden zu sehen ist? Was passiert eigentlich mit all diesen Modellen, wenn die Dreharbeiten vorbei sind?

 

B.Mc.) Wir, die wir diese Sachen bauen, würden gerne den ganzen Film über unsere Arbeit sehen, aber das passiert einfach nicht. Die Tatsache, dass er gemacht wird, ist sozusagen sein eigener Ruhm. Es ist traurig zu sehen wie etwas an dem man stundenlang gearbeitet hat in nur einem Moment in die Luft gesprengt wird. Aber man war ein Teil davon und das war der Zweck. Und man gewöhnt sich daran nur zu versuchen, die Aufnahmen perfekt zu machen. Es ist hart für Neulinge in der Branche wenn ihre Arbeit in die Luft gesprengt wird, aber das ist einfach ein Teil unseres Lebens.

 

Ich habe das Akula-U-Boot für CRIMSON TIDE (1995)  gemalt das implodiert ist. Das war eine einmalige Sache. Ein Modell, ein Anstrich, eine Implosion. 2 bis 3 Monate Arbeit für eine 2-Sekunden-Aufnahme. Es war einer der besten physikalischen Effekte und ich war froh, daran arbeiten zu können. Ich wünschte nur, wir hätten noch 5 Sekunden von der Aufnahme haben können, anstatt 5 Sekunden, in denen Denzel Washington auf eine Implosion reagiert die er unmöglich sehen konnte.

 

Ich durfte die Tagesaufnahme der Implosion sehen, so dass wir die ganze Aufnahme zu sehen bekamen. Es war fantastisch! Wir waren traurig, dass das Publikum nicht mehr davon zu sehen bekam. Der coolste Teil der Aufnahme: Ganz am Ende fällt das U-Boot aus dem Bild und einen Sekundenbruchteil später rollt der Propeller durch das Bild. Das war perfekt.

 

Manchmal vermasseln sie unsere harte Arbeit und die Aufnahme funktioniert einfach nicht. Bei GODZILLA zum Beispiel hat eine andere Firma viel Zeit damit verbracht, Madison Square Gardens zu bauen, damit unser Pyrotechniker es in die Luft jagen konnte.  Leider hat sich das Dach der Miniatur nicht so aufgelöst wie es sollte, sondern ist einfach in einem großen Stück abgefallen, wie ein Frisbee. Im Film kann man sehen, wie sich das Dach zu bewegen beginnt - alles in einem Stück - dann gibt es einen Schnitt auf später bei der Explosion.

Auch in GODZILLA, als ein Hubschrauber in ein Gebäude fliegt, sollte er an einem Draht herunterlaufen, das Gebäude treffen und ein Pyro-Profi den Auslöser betätigen, um den Hubschrauber explodieren zu lassen. Leider war er zu voreilig und der Hubschrauber explodierte, bevor er das Gebäude traf. Sie brachten uns den explodierten Hubschrauber und sagten uns, wir sollten ihn "schnell wieder zusammenkleben", damit sie es noch einmal machen könnten.

 

Wir verbrachten viel Zeit damit in GODZILLA Hubschrauber in die Luft zu jage und sie sagten mir, wenn man den Piloten aus einem Hubschrauber herausfliegen sieht, soll sich das Modell wie eine echte Person bewegen, nicht wie ein Spielzeug. Also habe ich die Figuren an den Gelenken, der Taille, den Hüften, dem Kopf usw. zerschnitten und sie wieder zusammengedrahtet damit sie wie eine Marionette beweglich sind.  Bei unserer ersten Aufnahme sahen wir uns eine Nahaufnahme in Zeitlupe auf einem Monitor an. Es war wunderschön. Der Pilot flog aus dem Cockpit und wölbte sich perfekt realistisch zurück, Arme und Beine flogen. Und dann löste sich sein Kopf.  Also mussten wir seinen Kopf wieder fest anbringen und noch einmal drehen, aber es sah nie ganz so gut aus wie die erste Aufnahme.

Das Problem bei manchen Spezialeffekten ist, dass man etwas nur einmal aubauen kann.

Nach 30 Jahren im Geschäft ist es für mich also in Ordnung, wenn meine harte Arbeit gesprengt oder versenkt oder implodiert wird oder naja…sie verstehen schon.

 

"Was passiert mit den Modellen?" Nun, die “Titanic” ist in einem Museum, zusammen mit der “Air Force One”. Einige von ihnen wurden vom Ladenbesitzer aufbewahrt. Richard Edlund, von Boss Films, hat die Discovery von 2010 (1984)  erworben. Alle Miniaturen von GODZILLA  wurden eingepackt und in ein Lagerhaus in Valencia CA geschickt.  Ich hab aber keine Ahnung wo.  Sie werden vielleicht weggeworfen, wenn der Besitzer keine Lust mehr hat die Miete zu zahlen.  Modelle aus allen STAR TREK - Produktionen wurden an Fans versteigert, die sie wirklich lieben und schätzen.

 

Andererseits ist vieles von dem Zeug so groß und auf einer Seite sehr detailliert; vielleicht ist es vom Dreh ziemlich ramponiert. Dieses Zeug landet auf der Mülldeponie. Die meisten Schiffsmodelle von STARFIRE (1990)  wurden eingepackt und gingen mit Richard Edlund nach Hause aber einige der größeren Stücke lagen bei Boss Films jahrelang im Freien, bis der Laden schloss und sie auf die Mülldeponie kamen. Kleinere Requisiten finden leichter ein neues Zuhause. Die wundervollen Skelette von ARMY OF DARKNESS (1992) wurden in eine Kiste geworfen um entsorgt zu waren. Also nahmen einige Leute im Modellbauladen, zu denen auch ich gehört haben könnte, einige mit nach Hause, wo sie all die Jahre überlebt haben.  Ich könnte einige Schädel aus den Gussformen in DRACULA erworben haben, die jetzt Buchstützen sind.

 

George Lucas ist dafür bekannt, dass er seine Miniaturen in makellosem Zustand aufbewahrt. Einige davon in Tresoren. Sie können einige von ihnen in Aufnahmen von ILM sehen. Nach dem Start von KRIEG DER STERNE, von dem niemand erwartete, dass er ein Hit werden würde, wurden einige der Miniaturen von der Crew eingesackt. Als es ein Hit wurde, waren sie plötzlich ein Vermögen wert. Ich besichtigte ILM kurz nach der Eröffnung von DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTTER (1983)  und sah vielleicht 1000 Miniaturen auf einer Tonbühne sitzen, die darauf warteten eingelagert zu werden. Es war faszinierend zu sehen, wie fantastisch detailliert sie waren - und in welch gutem Zustand sie gehalten wurden. Viele Filmcrews gehen grob mit Modellen um, aber diese Modelle wurden sehr sorgfältig behandelt. Sie werden nie eine Mülldeponie sehen.

 

SFF). Haben Sie ein Projekt, das Sie schon immer mal machen wollten, oder ist da etwas in Arbeit, an dem wir uns in Zukunft erfreuen können?

 

B.Mc) Ich war schon immer traurig, dass ich nach dem Interview für KRIEG DER STERNE  nicht dazu gekommen bin daran zu arbeiten. Ich wünschte, ich hätte mich mehr darum bemüht in das Projekt zu kommen. Ich war auch furchtbar traurig, dass ich nicht bei DER HERR DER RINGE (2001) mitarbeiten durfte, obwohl Peter Jackson unbedingt Hollywood-Miniaturisten haben wollte. Neuseeland verlangte von Jackson, dass er für den Großteil der Arbeit neuseeländische Modellbauer einsetzt, obwohl Mark Stetson es in die Crew geschafft hat.

Niemand hat jemals "Das Silmarillion" gemacht und ich würde gerne daran arbeiten. Sie könnten es hier in Las Vegas drehen.

 

SFF) Haben Sie einen Lieblingsbausatz, ein Lieblingsdiorama oder ein Lieblingsmodell?

 

B.Mc.) Die Lieblingsdioramen, die ich gebaut habe, waren wahrscheinlich "Heidi is Really Not Amused" oder "They Said, Home By Christmas".  Außerdem habe ich kürzlich ein U-Boot von Paukenschlag fertiggestellt, das sehr gut geworden ist.

Ungefähr 1973 baute ich ein Diorama mit dem Namen "The Winetasters", das eines meiner absoluten Lieblingsdioramen ist. Es hat mir auch Spaß gemacht, Dragon's Den zu bauen (Meddle Not in the Affairs of Dragons, for Thou Art Crunchy and Good with Catsup). Ich versuche oft, einen Hauch von Humor in meine Dioramen zu bringen.

 

Einer meiner Lieblingsbausätze direkt aus der Schachtel war eine Pzkw V Wg 1/35 von Gunze-Sangyo. Er war super detailliert und der Höhepunkt der Panzermodellbausätze im Jahr 1988. Ein wunderschön konstruierter Bausatz, mit dem ich wirklich gerne gearbeitet habe, war der Y-Wing von Bandai in 1/44. Er war hervorragend konstruiert und man konnte ihn einfach nicht falsch zusammenbauen. Der Bausatzbau hat seit 1970 wirklich einen langen Weg zurückgelegt.

Manche Bausätze sind aber einfach nur aus der Hölle. Ich spreche immer noch von einem Resin-Bausatz American Jeep im Maßstab 1:16 von Valinden, der alles hatte. Die Anleitung war unglaublich schlecht und ließ einen mit mehr Fragen als Antworten zurück. Die Teile passten nicht wirklich dorthin, wo sie hingehörten, so dass ich ihn immer wieder auseinandernehmen und neu versuchen musste. Die Lenksäule passte einfach nicht und die Windschutzscheibe musste ich nach dem Wiedereinbau unten lassen.  Das absolut Schlimmste war, dass die Fotoätzteile keine Hinweise darauf enthielten, wie sie zu biegen waren, so dass ich mehrere Teile auf zwei Arten biegen musste.  Ich habe es für meine Frau gebaut, die es absolut liebt, aber es hat mich komplett davon geheilt, ihren Panther-Panzer oder Tiger-I bauen zu wollen.

 

SFF). Die wichtigste Frage habe ich bis zum Schluss durchgehalten: Was war der schwierigste Effekt/das schwierigste Modell, an dem Sie im Film gearbeitet haben, und warum?

 

B.Mc.) Wir haben eine perfekte 1,20 Meter lange Akula gebaut, eine exakte Replik eines echten russischen U-Boots. Wir haben den Master gebaut, eine gigantische Gummiform angefertigt (die viel Geld gekostet hat) und dann das Gussteil ausgelegt und zusammengebaut. Es wurde geschliffen, gespachtelt, geschlichtet und grundiert, fertig zum Lackieren. Alles, was wir brauchten, war der Segen des Regisseurs. Leider warf John McTiernan einen Blick darauf und sagte: "Schneiden Sie vier Zentimeter aus der Mitte heraus, damit er kürzer ist und gemeiner aussieht" und ging dann einfach weg. Ich starrte ihn ungläubig an. Greg Jein und ich sahen uns an, und er sagte: "Das ist Show-Biz, Bruce! Er hat gerade 5.000 Dollar gewechselt." (McTiernan war berühmt dafür, seine Budgets auf diese Weise zu sprengen.)

Ich machte mich daran, einen Plan zu entwerfen, wie ich es in zwei Hälften schneiden und wieder zusammensetzen konnte. Es dauerte über eine Woche, und lassen Sie mich Ihnen sagen, 10 Zentimeter aus einem konischen Zylinder herauszuschneiden ist kein einfacher Trick. Wir haben es geschafft und wissen Sie was? Es war ein völlig nutzloses Manöver. Es ging nur darum, dass der Regisseur das Modell als "seins" kennzeichnen wollte. Als wir den Akula bei der Vorführung sahen, rief einer unserer Modellbauer: "Wow! Das sieht wirklich gruselig aus! Wenn es ein bisschen länger wäre, wäre es nicht annähernd so gruselig!"

 

Da kommt die "Theorie des brennenden Clowns" auf. Da der Art Director, der Fluch aller Miniaturenbauer, unweigerlich etwas an einem Modell ändern möchte, wird er immer etwas wählen das sehr zeitaufwendig und schwierig zu machen ist.  Was Sie, der Modellbauer, also tun ist, das Modell genau nach den Vorgaben zu bauen, außer dass Sie etwas am Modell anbringen, das völlig falsch ist, so dass er Ihnen sagen kann, Sie sollen es entfernen und alle sind zufrieden. Er hat sein Ziel erreicht und Sie müssen nicht viel zusätzliche Arbeit leisten.

Sie bauen also Ihre Miniatur von, sagen wir, dem STIRB LANGSAMS-Gebäude und hängen einen brennenden Clown (in Flammen) daran. Nun kommt Mr. Art Director herein, sieht sich Ihr Werk an und sagt: "Wow, sieht toll aus! Nimm den brennenden Clown weg!" und geht weg. Sie zwinkern selbstgefällig Ihren Arbeitskollegen zu, entfernen den brennenden Clown und sind gut drauf. Aber wenn Sie den Clown nicht angezogen hätten, hätte er gesagt: "Er spricht nicht zu mir. Beziehen Sie ihn mit Fell, malen Sie ihn knallrot an und schleifen Sie ihn 13% kleiner. Bis morgen."

 

Also hätten wir einfach einen brennenden Clown auf die Akula setzen sollen.

 

SFF.) Lieber Mr. Macrae.  Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben und wünsche Ihnen alles Gute für Ihr weiteres Filmschaffen.

 

B.Mc.) Ich danke Ihnen vielmals. Es war mir ein echtes Vergnügen.